Schließen [x]

https://www.suesse-werbung.de/de/neuheiten.html?___store=de
www.print-tattoo.com
www.wv-versand.de
www.pfconcept.com
www.europeansourcing.com/free
www.stickereimerkel.de
www.uma-pen.com
http://www.reeko.com/_shop2017/index.php?language=de
http://www.senator.com/de_de/

Weihnachtsgeschenke im Biedermeier

schenken

„Der große Tannenbaum in der Mitte trug viele goldne und silberne Äpfel, und wie Knospen und Blüten keimten Zuckermandeln und bunte Bonbons und was es sonst noch für schönes Naschwerk gibt, aus allen Ästen. (…) Um den Baum umher glänzte alles sehr bunt und herrlich – was es da alles für schöne Sachen gab – ja, wer das zu beschreiben vermöchte!“ So schildert E.T.A. Hoffmann in seinem Kindermärchen „Nussknacker und Mausekönig“ auf anschauliche Weise einen Brauch, der 1816, im Erscheinungsjahr des Buches, gerade erst entstand: der Usus, sich zu Weihnachten zu beschenken. In Zeiten, da „Weihnachten“ beinahe schon synonym zu „Geschenken“ verstanden wird – 80 Mrd. Euro setzte der deutsche Einzelhandel allein im Weihnachtsgeschäft 2012 um –, ist es kaum zu glauben, dass das heutige Weihnachten als Familienfeier mit Tannenbaum, Weihnachtsliedern und Bescherung kaum 200 Jahre alt und damit eine Erfindung des Biedermeier ist.

Rückzug ins „Gemütliche“

schenken

Das ist kein Zufall, sondern hängt eng mit dem Zeitgeist der Restaurationsepoche zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der Märzrevolution 1848 zusammen: Angesichts der damals herrschenden staatlichen Repression zog sich insbesondere die bürgerliche Gesellschaft in die „Gemütlichkeit“ zurück – ein Eskapismus, dessen spießige Auswüchse der sprichwörtliche „Biedermeier“ als Symbolfigur der Epoche karikiert. Die im Zuge der Industrialisierung wachsende bürgerliche Mittelschicht kultivierte das Privat- und Familienleben in ganz neuem Maße. Dazu gehörten Familienfeste, die häufig kirchlichen Hintergrund hatten, aber verstärkt säkularisiert wurden: So entstanden im Vormärz die Figuren Christkind und Osterhase, und der Weihnachtsbaum fand größere Verbreitung – nicht zuletzt begünstigt durch die Erfindung des Stearin, das Kerzen auch für weniger Betuchte erschwinglich machte. Viele Weihnachtslied-Klassiker, darunter „Stille Nacht“ und „Oh Tannenbaum“, entstammen ebenfalls dem Biedermeier.

Puppenstuben und Zinnsoldaten

UnbenanntGleichzeitig schenkte man – zumindest im Bürgertum – Kindern und Kindererziehung mehr Aufmerksamkeit. Geschenke spielten eine zunehmend wichtige Rolle im Familienleben, ganz besonders zur Weihnachtszeit. Infolgedessen florierte die Spielzeugindustrie. Der Katalog des Nürnberger Versandhaus- Pioniers G.H. Bestelmeier etwa umfasste im Jahre 1823 rund 1.200 verschiedene Spielzeuge. Gefragt waren Artikel, mit denen sich die Welt der Erwachsenen nachspielen ließ, wie Ausschneidebögen, Schaukelpferde, Zinnsoldaten oder Puppenstuben – letztere waren ein absolutes Trendprodukt. Apropos Puppenstuben: Dass beim Spielzeug strenge „Geschlechtertrennung“ vorherrschte, versteht sich von selbst. Aspekte, die auch E.T.A. Hoffmanns Märchen widerspiegelt: So warten auf das Mädchen „die zierlichsten Puppen, allerlei saubere kleine Gerätschaften“ und „ein seidenes Kleidchen“, während der Junge sein neues Steckenpferd ausprobiert und über eine „Schwadron Husaren, die sehr prächtig in Rot und Gold gekleidet waren, lauter silberne Waffen trugen und auf solchen weißglänzenden Pferden ritten“ staunt. Darüber hinaus ist von Bilderbüchern die Rede, darin „allerlei sehr schöne Blumen und bunte Menschen, ja auch allerliebste spielende Kinder, so natürlich gemalt als lebten und sprächen sie wirklich“.

Sei schön artig, brav und fromm

Zwischenablage

Heute wird das Biedermeier häufig idyllisch verklärt – ein Beispiel sind die zahlreichen „Biedermeier-Weihnachtsmärkte“. Dabei war die Epoche ausgesprochen autoritär – das gilt auch für den Umgang mit dem Nachwuchs. Weihnachtsgeschenke hatten in jedem Fall eine erzieherische Aufgabe zu erfüllen – gerne auch auf wenig subtile Weise. Ein Musterbeispiel für die „Brachial- Pädagogik“ der Zeit ist der 1845 erschienene Struwwelpeter, den sein Schöpfer, der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann, übrigens als Weihnachtsgeschenk für seinen dreijährigen Sohn verfasst hat. Auch der Wunschzettel, heute obligatorisch, war damals im vorweihnachtlichen Ritual nicht vorgesehen, denn natürlich entschieden allein die Eltern, was sie ihrem Nachwuchs angedeihen ließen. Letzteres, ob überholt oder nicht, haben sich sicherlich auch heutzutage viele Eltern insgeheim schon einmal zurückgewünscht – spätestens bei den Weihnachtseinkäufen.

Print Friendly, PDF & Email
2016-10-21T11:34:45+00:0013. August 2013|