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Der Kula-Ring

Zwischenablage01

„Warum sollten Menschen Leib und Leben riskieren und riesige Flächen gefährlichen Ozeans überqueren, um wertlosen Plunder zu verschenken?” Diese Frage stellte der Anthropologe Bronislaw Malinowski 1922 in seinem Buch Argonauten des westlichen Pazifik – einer Feldforschung über die Bewohner der Trobriand- Inseln westlich von Papua-Neuguinea –, und sie bezog sich auf ein Ritual, das in der Region z.T. noch heute vollzogen wird: den Kula-Ring. Seit Jahrhunderten fahren die Einwohner der kreisförmig angeordneten Inseln der Milne Bay-Provinz in Einbäumen weite und gefährliche Strecken über das offene Meer, um mit den Bewohnern der Nachbarinseln nach genau festgelegten Regeln einen rituellen Tausch zu vollziehen: Im Uhrzeigersinn wechseln Halsketten mit kleinen roten Muschelplättchen (Soulava) den Besitzer, in der anderen Richtung Armreife aus einem weißen Muschelring (Mwali). Zwar wird das Ritual meist von tatsächlichem Tauschhandel flankiert, die Teilnehmer unterscheiden jedoch sehr genau zwischen Geschenken und Warenaustausch. Denn die Halsketten und Armreife haben sakralen Charakter und müssen nach einer Weile weitergetauscht werden, sodass sie sich kontinuierlich im Umlauf befinden.

Geben und Nehmen

Nicht jeder darf am Kula teilnehmen, wer jedoch einmal teilgenommen hat, bleibt sein Leben lang Teil des Kreislaufs: Er muss die Gegenstände, die er erhält, spätestens nach ein bis zwei Jahren weiterverschenken und außerdem Geschenke mit einer entsprechenden Gegengabe erwidern. Ist das Eröffnungsgeschenk ein Armreif, muss das Gegengeschenk eine Halskette sein und umgekehrt. Dabei variieren die einzelnen Gegenstände beträchtlich in ihrem Wert, denn jeder hat eine jeweils eigene, mündlich tradierte Geschichte. Das hat auch Einfluss auf das Prestige des Schenkenden, der außerdem stets einen höheren Status als der Empfänger hat. Wer einen Gegenstand nicht weitergibt, läuft Gefahr, seine Reputation zu verlieren und bestehende Beziehungen zu beenden, denn in der melanesischen Kultur hat Großzügigkeit einen hohen Stellenwert. Während Zeitgenossen von Malinowski den Ritus als „sinnlose Tätigkeit von Wilden“ abtaten, hatte der Ethnologe ein System hinter dem Tausch erkannt: Dieser festigt die ökonomischen und gesellschaftlichen Beziehungen und stiftet politische Autorität. Die getauschten Armreifen und Halsketten waren also alles andere als „wertloser Plunder“. Die Erkenntnis von Malinowski, dass es auch Wirtschaften ohne Profit gibt, beeinflusste die gesamte Wirtschaftsethnologie, aber auch das westliche ökonomische Denken. Die Menschen, die am Kula-Ring teilnehmen, gelten übrigens als ausgesprochen friedlich – eine Tatsache, die sicherlich in Teilen auf das Ritual zurückzuführen ist, das nicht zuletzt der Sicherung des Friedens dient. Damit wäre auch die eingangs zitierte Frage beantwortet.

 

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2016-10-21T11:34:41+00:0015. August 2013|