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Der Potlatch

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Hakalahl, Häuptling der Nakoaktok, eines Unterstammes der Kwakiutl, mit einer „Wanistakila“ genannten  Kupferplatte, wie sie beim Potlatch getauscht wurden. Der Name „Wanistakila“ bedeutet „räumt das ganze Haus aus“ – eine Anspielung auf den Wert der Platten.

 Das Potlatch-Fest hatte eine elementare gesellschaftliche Funktion bei den Indianern der amerikanischen Nordwestküste. Denn dort war nicht am angesehensten, wer am meisten hatte, sondern, wer am meisten verschenken konnte.

Auch bei uns gibt es Eventagenturen, Mietlocations, Weddingplaner und Cateringfirmen – aber selbst die verschwenderischste Feier reicht vom Aufwand wohl kaum an das heran, was ein Clan der Kwakiutl, Tlingit, Nakoaktok, Haida oder eines anderen Volkes der amerikanischen Nordwestküste für einen Potlatch aufbrachte. Nicht zuletzt deshalb erlebten viele Nordwestpazifik- Indianer nur ein einziges Mal in ihrem Leben ein solches Fest. Potenzielle Anlässe gab es viele: die Einsetzung eines neuen Häuptlings, eine Geburt, eine Hochzeit, der Tod einer hochrangigen Person, die Initiation von Jugendlichen in den Kreis der Erwachsenen, die Errichtung eines Totempfahls und vieles mehr. Häufig waren die Gründe geradezu trivial, war doch die eigentliche Motivation die Festigung des eigenen sozialen Status. In jedem Fall wurde innerhalb der Familie gemeinschaftlich die Entscheidung getroffen, einen Potlatch zu veranstalten – das Wort aus dem Chinook-Jargon bedeutet übrigens einfach „schenken“ oder „Geschenk“. Es folgte eine mehr oder weniger lange Zeit der Vorbereitung, die besonders aus der Anhäufung großer Mengen von Nahrung und vor allem Geschenken bestand. Geschnitzte und bemalte Löffel, Schalen, Kisten, Decken und viele andere künstlerisch gestaltete Objekte wurden speziell für Potlatch-Feste hergestellt. Neben Gütern des täglichen Gebrauchs wurden auch besondere Prestigeobjekte verschenkt. Dazu gehörten beispielsweise bemalte Kupferplatten, die nach jedem Besitzerwechsel in ihrem Wert stiegen. Die Zahl der Gäste variierte natürlich mit Status und Vermögen der Gastgeber. Besonders wohlhabende Clans besaßen eigene, „Loghouses” genannte Gebäude, speziell um eine große Anzahl von Gästen zu empfangen und viele Tage lang zu bewirten. Der Ablauf des eigentlichen Festes, dessen Dauer davon abhing, wie viel „aufgefahren“ wurde, war genau festgelegt. Neben Bewirtung und Geschenken spielten Rituale eine wichtige Rolle: Jeder Potlatch bot die Gelegenheit, Familienrechte und -privilegien mittels Masken, Tänzen und Liedern öffentlich zur Schau zu stellen und in ihrem Bestand zu sichern. Je mehr hochrangige Gäste als Zeugen anwesend waren, desto gültiger war der Anspruch. Darüber hinaus erfuhren jedoch auch die Gäste, „wer sie waren“: Die Art und Weise der Bewirtung – etwa durch unterschiedlich große Schüsseln, die bis zu zwei Meter lang sein konnten –, reflektierte und bestimmte ebenso wie die Reihenfolge und die Art der verteilten Geschenke den Status der Empfänger. Das Abhalten eines Potlatch ermöglichte den Gastgebern die Etablierung innerhalb der Hierarchie und den Erwerb eines höheren Status, der sich über Titel manifestierte. Bei den Stämmen der Kwakiutl etwa gab es rund 650 dieser Bezeichnungen, die einen bestimmten Rang in der Gesellschaft ausdrückten. Wer nie einen Potlatch gegeben hatte, galt als einfacher Stammesangehöriger. Potlatches waren jedoch nicht bloß Hierarchiestifter: Sie waren ein elementarer Teil Schenkste was, dann biste was Der Potlatch Das Potlatch-Fest hatte eine elementare gesellschaftliche Funktion bei den Indianern der amerikanischen Nordwestküste. Denn dort war nicht am angesehensten, wer am meisten hatte, sondern, wer am meisten verschenken konnte. Potlatch-Tänzer in Fort Rupert. Tlingit-Frau in voller Potlatch- Tracht. Kulturgeschichte des Schenkens Die Begriffe „Geschenk“ und „Schenken“ sind in der Werbeartikelbranche durchaus mit gutem Grund verpönt (Stichwort: § 4 Abs. 5 EStG). Dennoch lässt das Zusammenspiel aus Zuwendung und Anerkennung, aus Aufmerksamkeit und Gegenleistung den Werbeartikel überhaupt erst funktionieren, ja: Ohne den Akt und die Psychologie des Schenkens gäbe es keine Werbear tikel. Mit der vorliegenden Ausgabe starten die WA Nachrichten daher eine neue Serie über die jahrtausendealte Kulturgeschichte des Schenkens. Thema der ersten Folge: der Potlatch. des Wirtschafts- und nicht zuletzt des Sozialsystems, denn insbesondere Bedürftige profitierten von der Umverteilung der Ware.

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Tlingit-Frau in voller Potlatch-Tracht.

„Materialschlacht?“

Facetten, die häufig nicht beachtet wurden – der westliche Blickwinkel sah den Potlatch als „Materialschlacht“, die ganze Stämme in den Ruin trieb. Doch wie so oft war es erst der Einfluss von außen, der zu einem Ungleichgewicht in diesem schenkökonomischen System führte. Durch den Kontakt mit Europäern und eine – aufgrund eingeschleppter Krankheiten – erhöhte Sterblichkeit waren wichtige Positionen in den Gemeinden häufiger unbesetzt – mit der Folge, dass viel mehr Potlatches als zuvor stattfanden, denn eine große Zahl junger Häuptlinge warb um Anerkennung. Die von den europäischen Einwanderern verfügbar gemachten Waren ermöglichten es ihnen dabei, in einen scharfen Wettbewerb zu treten – und damit ruinierte tatsächlich so mancher sich selbst und
die ihm anvertraute Stammesgruppe. 1884 wurde der Potlatch verboten. Wenngleich im Geheimen trotzdem vereinzelt Potlatches stattfanden, hatte das erst 1951 aufgehobene Verbot dennoch verheerende Folgen für die Struktur und das kulturelle Leben vieler Stammesgemeinschaften. Ethnologische Studien über den Potlatch betonten indessen recht früh, dass das Ritual weit mehr war als eine bloße „Verschwendungsorgie“, und trugen maßgeblich zu Reziprozitätstheorien („Wie du mir, so ich dir“) bei, die auch in der modernen Wirtschaft eine wichtige Rolle spielen – nicht zuletzt im Marketing. Denn hier gilt ganz sicher: Präsente sind keine Verschwendung.

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Potlatch-Tänzer in Fort Rupert.

Bildquelle: Library of Congress

 

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2016-10-21T11:34:41+00:0015. August 2013|