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Die höfische Geschenkkultur

Von den Turnieren des Mittelalters über den Größenwahn des Absolutismus bis hin zur militaristischen Bürokratie der Preußen: Jahrhundertelang waren Geschenke unter den europäischen Monarchen ein wichtiger Teil der Machtkalkulation, Diplomatie und Etikette.

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Mit den königlichsten Wünschen

„Ein jeder bedenke, wo eine Gabe angebracht sei. Man beachte, wer der Empfänger sei, und in welchen Verhältnissen er sich befinde“, forderte Thomasîn von Zerclaere Anfang des 13. Jahrhunderts in seinem Lehrgedicht Der Welsche Gast. Das 1215 von dem Ministerialbeamten und Domherren beim Patriarchen von Aquileja verfasste Mammutwerk sollte junge Adlige zu höfischen Tugenden ermahnen. Zu letzteren gehörte die „milte“, die Kunst des Schenkens, die beherrschen musste, wer an den Königs- und Fürstenhöfen etwas gelten wollte. Die Dichter und Chronisten des Mittelalters haben zahlreiche Beispiele festgehalten – etwa aus der Zeit Friedrichs I., genannt Barbarossa: Dessen Söhne verteilten auf dem Mainzer Hoftag von 1184, nachdem sie von ihrem Vater die Schwertleite erhalten hatten, unter den anwesenden Rittern Geschenke in Form von Pferden, kostbaren Kleidern, Gold und Silber, wobei viele Fürsten, die ihnen in nichts nachstehen wollten, ihrem Beispiel folgten. Ihr Vater war da bereits für seine Spendierfreudigkeit bekannt, hatte er doch 1160, nach der Eroberung von Crema, die adligen Herren aus Deutschland, die ihm Heeresfolge geleistet hatten, nicht ohne großzügige Geschenke entlassen. Stets erhielten die Vornehmsten das Kostbarste, während die kleineren Adligen und die Ritter mit geringeren Geschenken zufrieden sein mussten. Das einfache Volk ging übrigens fast immer leer aus – mit Ausnahme der Spielleute und Spaßmacher, die sehr häufig beschenkt wurden, schließlich garantierten sie gute Stimmung.
Die bereits im Mittelalter bestehenden Prinzipien, dass Geschenke Macht symbolisieren und der Wert eines Geschenks vom Rang des Empfängers abhängig ist, blieben bis in die Neuzeit hinein bestehen – und zwar im gesamten Abendland in vergleichbarer Form. Im gleichen Maße allerdings, wie die Machtgefüge an den Höfen mit ihren Höflingen und Günstlingen, Kurtisanen und Mätressen immer ausgeklügelter wurden, stieg auch die Komplexität des Geschenkesystems, und damit natürlich auch die Anzahl der Fettnäpfchen, in die man Gefahr lief, zu treten.

Portraits und Elefanten

Die Geschenke selbst passten sich dem Zeitgeist der jeweiligen Epochen an. So war im Barock das Portrait, ob als Miniatur oder großformatiges Gemälde, ein beliebtes Präsent, das bei besonderen Anlässen befreundeten Höfen zugedacht wurde. Gerne gab man zudem das Porträt einer jungen Dame im heiratsfähigen Alter in Auftrag, um es dann an potenzielle „Partien“ zu senden. Absolute Monarchen ließen es aber auch so richtig krachen und spendierten schon mal Schlösser oder seltene Tiere – so war der afrikanische Elefant, den Ludwig XIV. von 1668 bis 1681 in seiner Menagerie hielt, ein diplomatisches Geschenk aus Portugal.

Bernsteinzimmer und Porzellanservice

In Preußen war man da bereits wesentlich pragmatischer unterwegs: Friedrich Wilhelm I. machte 1716 seinem Beinamen „Soldatenkönig“ alle Ehre, als er dem Zaren Peter dem Großen das berühmte Bernsteinzimmer überließ – im Tausch gegen Soldaten mit Gardemaß für seine „langen Kerls“. Sein Sohn, Friedrich der Große, perfektionierte die Geschenkkultur mit preußischer Bürokratie und Präzision. Der als sparsam bekannte „Alte Fritz“ legte genau fest, wie viel jeweils für ein Geschenk zu investieren war: 1747 ordnete er an, die Abschiedsgeschenke für Gesandte „ein für alle mahl auf ein gewisses zu determinieren und festzusetzen“, und zwar „auf ein Tausend zweyhundert Reichsthaler“. Geschenke an Gesandte sollten möglichst schlicht gehalten werden, Spitzenprodukte waren Herrschern vorbehalten. Doch selbst hier setzte Friedrich II. gerne Pauschalpreise fest. So bewilligte er lediglich „sieben Tausend und einige Hundert Reichstaler“ für das Dessertservice für 120 Personen, das er 1770 für Katharina die Große anfertigen ließ. Dieses war allerdings gleichzeitig ein Beispiel dafür, wie minutiös der König seine Geschenke auf Einsatzzweck und Empfänger zuschneiden ließ: So zeigte das Service die thronende Zarin, ausgeführt nach einem Bildnis, das Katharina im Jahr zuvor Friedrich geschenkt hatte. Die in Form von Melonen gestalteten Schüsseln nahmen Bezug auf die Melonen, die Katharina 1763 übersandt und im zugehörigen Briefwechsel mit politischer Symbolik belegt hatte. Darüber hinaus griff die Gestaltung militärische Siege des Zarenhauses auf, was der Adressatin natürlich schmeicheln sollte. Das Material wiederum – Meißener Porzellan – war ein preußisches „Alleinstellungsmerkmal“. Der Absender sollte schließlich nicht allzu sehr in den Hintergrund treten. Das ist auch der Grund, warum die Preußen zu anderer Gelegenheit ihre Geschenke regelrecht „brandeten“ – mit Wappen, Monogrammen u.ä. Eine Art von Öffentlichkeitsarbeit, die der letzte preußische Monarch, Wilhelm II., auf die Spitze trieb. Der für seinen Personenkult bekannte Souverän bedachte längst nicht mehr nur adlige und diplomatische Adressaten, sondern zu vielfältiger Gelegenheit auch bürgerliche Untertanen mit Devotionalien, die sein Pickelhaubengeschmücktes Konterfei trugen – ob Ehrennadeln für altgediente Stationsvorsteher, Medaillen für Ehepaare, die 50 Jahre lang im „sittlich reinen, friedlich frommen Wandel“ verheiratet gewesen waren oder Relieftassen für 100-Jährige. Nachdem Wilhelm der II. abgedankt hatte, wurden seine Präsente wesentlich bescheidener, ja, geradezu demütig: Im holländischen Exil widmete er sich dem Holzfällen und verschenkte datierte Baumscheiben, an denen die Zahl der abgesägten Bäume abzulesen war. Und so endete die Zeit des höfischen Geschenks – zumindest in Deutschland – mit einer Pointe.Unbenannt

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2016-10-21T11:34:32+00:0022. Oktober 2013|