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Walter G. Jung im Gespräch 2012: „Ich wusste, dass die Messe funktionieren würde.”

Walter G. Jung (l) und Michael Freter anlässlich der 50. PSI im Gespräch.

Walter G. Jung (l) und Michael Freter anlässlich der 50. PSI im Gespräch.

Die PSI-Messe ist zweifellos eine Erfolgsgeschichte. Was auf Tapeziertischen in Bad Soden 1963 startete, hat sich im Laufe der Zeit zu einer Leistungsschau und Leitmesse für die europäische Werbeartikelbranche entwickelt. Wie kaum eine andere Veranstaltung hat die PSI-Messe die Branche geprägt, Strukturen gefestigt, die Internationalisierung vorangetrieben und das Zusammengehörigkeitsgefühl gefördert. Sie gilt als Stimmungsbarometer für die Befindlichkeiten der Branche, markiert den Startpunkt für die neue Werbeartikelsaison und präsentiert eine ungeheure Vielfalt an Werbeartikelneuheiten auf einen Schlag.
Anlässlich des goldenen Jubiläums blicken die Werbeartikel Nachrichten im Gespräch mit PSI-Gründer Walter G. Jung und dem heutigen PSI-Chef Michael Freter auf die Anfangszeiten zurück, skizzieren die Entwicklung und werfen einen Ausblick auf die Jubiläumsausgabe zum 50. Geburtstag im Januar 2012.

Herr Jung, Sie sind seit 1998 nicht mehr für die Geschicke des PSI verantwortlich. Haben Sie denn nach Ihrem Rückzug die Entwicklung der PSI-Messe weiter verfolgt?
Walter G. Jung:
Natürlich. Ich bin bislang auf jeder PSI-Messe in Düsseldorf gewesen und habe selbstverständlich vor, im Januar 2012 dabei zu sein.

Die PSI vom 11. bis 13. Januar 2012 wird die 50. PSI-Messe überhaupt sein. Herr Freter, kann Herr Jung auf der Jubiläumsveranstaltung denn mit einer besonderen Messe rechnen?
Michael Freter: Das will ich meinen. Wir haben zur Jubiläumsmesse eine ganze Reihe von Ergänzungen im Messekonzept verankert. So akzentuieren wir das Thema „Innovative Produkte“. Es ist immer schwierig für die Besucher, in den Tausenden von neuen Produkten die echten Neuheiten zu finden. Zur 50. PSI-Messe haben wir daher ein Konzept zur Halle 13 erarbeitet, bei dem der Fokus ganz klar auf Innovationen liegt. In Halle 13 werden wir nicht nur den Start-up-Pavillon und den BMWI-Pavillon mit jungen, in Deutschland produzierenden Unternehmen installieren, sondern auch eine komplett neue Zielgruppe ansprechen: die der Erfinder. Wir haben in diesem Jahr eine Kooperation mit der Nürnberger Erfindermesse iENA abgeschlossen. Viele Erfinder haben tolle, alltagstaugliche Produkte, die auch im Werbeartikelmarkt Erfolg haben könnten, die allerdings vermarktet werden müssen. Diesen Brückenschlag leisten wir, indem wir in Halle 13 ca. 30 Erfinderstände platzieren, an denen neue Erfindungen präsentiert werden, für die PSI-Lieferanten sogenannte Produktpatenschaften übernehmen können. Eine für beide Seiten sehr spannende Geschichte.
Ein sehr interessanter Platz für neue Produkte ist zudem „The Wall“ – eine lange Mauer mit Aussparungen unterschiedlicher Größen, in denen echte Neuheiten unserer Aussteller angeschaut, angefasst und ausprobiert werden können. Mit Hilfe von QR-Codes können sich die Besucher online weitere Erklärungen zu den Produkten einholen. Außerdem bieten wir mit Hostessen einen Shuttle-Service zu den Ständen der jeweiligen Aussteller, so dass das Ganze auch eine interaktive Komponente hat. The Wall ist eine Weiterentwicklung unserer Neuheitenvitrinen. Damit jedoch keine Beliebigkeit bei der Produktauswahl vorherrscht, müssen Aussteller ihre Produkte vorher bei uns anmelden. Eine unabhängige Jury wertet dann den Innovationsgrad. Die Anzahl der Plätze ist auf 50 limitiert, um das Besondere zu akzentuieren und Aufmerksamkeit zu wecken.

Wie ist der derzeitige Anmeldestand für die PSI-Messe?
Michael Freter: Es ist uns gelungen, einige Lieferanten, die zwei oder drei Jahre pausiert haben, wieder zu einer Teilnahme bewegen zu können, zudem haben wir eine gesunde Zahl von Neuausstellern, daher können wir, was die Ausstellerzahl angeht, einen Rekord melden: Anfang Dezember haben wir bereits 972 Aussteller, der bisherige Rekord lag bei 945 Ausstellern. Ich persönlich strebe 1.000 Aussteller an.

Bestätigt sich denn der Trend, dass die durchschnittliche Standgröße zurückgeht?
Michael Freter:
Wir haben immer noch eine relativ hohe durchschnittliche Standgröße, aber wir werden sicher die Rekordzahl an verkauften Quadratmetern aus dem Jahr 2009 nicht wiederholen. Die war damals allerdings auch der sehr guten wirtschaftlichen Situation der Jahre 2007 und 2008 geschuldet. Richtig ist: Insbesondere die großen Anbieter haben ihre Standgrößen reduziert. Die Messe ist nicht mehr die Nabelschau der Branche, bei der die Größe des Standes die Marktanteile repräsentiert. Aber durch die gestiegene Zahl der Aussteller können wir insgesamt auch ein Flächenwachstum verzeichnen: Sehr realistisch sind zur Zeit etwa 35.000 verkaufte Quadratmeter.

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Kleine Anfänge: Tapeziertische werden zum Sinnbild der ersten PSI-Messen in Bad Soden und Bad Homburg.

Herr Jung, Sie haben 1963 mit 56 Ausstellern angefangen, 2012 erwarten Ihre Nachfolger rund 1.000 Aussteller – hätten Sie sich einen solchen Erfolg träumen lassen?
Walter G. J
ung: Nein, wenn mir das damals jemand gesagt hätte, den hätte ich für verrückt erklärt. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Dennoch wusste ich, dass die Idee der PSI und der PSI-Messe richtig war und dass sie funktionieren würde.

Was hat Sie so sicher gemacht?
Walter G. Jung: Die Situation im Markt war eine ganz andere: Es gab eine Industrie, z.B. Unternehmen aus der Lederwarenbranche, der Stahlindustrie etc., die Werbegeschenke angeboten hat – damals wirklich noch Werbegeschenke, keine Werbeartikel. Und diese Unternehmen hatten überwiegend Handelsvertreter, die ihre Marken in bestimmten Regionen exklusiv anbieten durften. Doch das entsprach nicht den Bedürfnissen des Marktes. Der Anwender wollte verschiedene Produkte aus einer Hand und sich nicht beim Werbeartikeleinkauf mit verschiedenen Anbietern rumschlagen müssen. Doch die Händler kannten die Lieferanten nicht, und umgekehrt die Lieferanten die Händler nicht. Das war die Idee, das PSI aus der Taufe zu heben, also Händler- und Lieferantenverzeichnisse aufzubauen – eine Struktur, die ich aus den USA kannte und für Deutschland adaptierte.
Und auch auf Lieferantenseite tat sich etwas. Es kamen die ersten Unternehmen auf, die stärker in die Breite gingen, also verschiedene Produkte anboten. Sie erweiterten ihr Portfolio, weil der Markt das wollte. Der Markt zog, aber er schob auch. Diese Lieferanten wollten weg von dem Händlersystem mit den Markenvertretungen, und sie waren echte Schwergewichte, die Schwung in die Werbeartikellandschaft brauchten. Die Gründung des PSI war das richtige Konzept zur richtigen Zeit. So stieg die Zahl der Mitglieder in der Anfangszeit rapide.

1960 wurde das PSI gegründet, 1963 folgte dann die erste Messe im Kurhaus von Bad Soden. Wie kam es zu der Initiative?
Walter G. Jung: Was viele auch nicht mehr wissen: Es wurde gerade zu der Zeit eine Wertgrenze von damals 100,- DM eingeführt. Das war wichtig für die Branche, da man so aus der Bestechungsecke herauskam. Sie müssen sich vorstellen, dass es in der 1950er Jahren auch schon mal zu den Aufgaben eines Werbeartikelhändlers gehören konnte, ein hochwertiges Jagdgewehr aus Suhl zu ordern. Insofern war es wichtig, eine Grenze zu bekommen, mit der das Thema Korruptionalie vom Tisch war. Der seriöse Handel hat das begrüßt. Die Wertgrenze war gut für den Markt, zeigte aber auch, dass sich der Markt auf ein anderes Niveau hin bewegen musste. Es war an der Zeit, sich zu organisieren und auch den Austausch untereinander zu pflegen.
Eine Messe durchzuführen, damit sich Händler und Lieferanten untereinander kennenlernen konnten, war die logische Folge. Und wir hatten direkt einen enormen Zulauf. 56 Aussteller und etwa 280 Besucher – das war für die damalige Zeit schon ganz erstaunlich. Ich habe damals nicht in Quadratmeterpreisen gerechnet, sondern in Tischpreisen. Ein Tisch kostete 50,- DM. Als alle Tische ausgebucht waren, ich aber trotzdem noch Nachfragen hatte, habe ich sogar den Konzertflügel als Ausstellungsfläche mit vermietet.

Wie war denn die Atmosphäre auf den Messen in der Anfangszeit? War eine Aufbruchstimmung spürbar, oder gab man sich eher zurückhaltend gegenüber dem Wettbewerber, den man ja erst noch kennenlernen musste?
Walter G. Jung:
Bis dato kannten sich die verschiedenen Anbieter aus unterschiedlichen Produktbereichen kaum. Stahlwaren, Lederwaren, Schreibgeräte, Porzellan – die Lieferanten hatten alle unterschiedliche Messen und auch auf der Messe Frankfurt unterschiedliche Ausstellungsbereiche. Aber auf der PSI-Messe wurde die Atmosphäre schnell immer intimer. Die gemeinsamen Abendessen, die wir von Anfang an veranstaltet haben, waren geradezu legendär. Dort lernte man sich kennen, und so hatten die Messen schnell einen ähnlichen Charakter wie z.B. Klassentreffen. Stellen Sie sich einfach eine Big Party vor – da kommen Sie der Sache ziemlich nahe.
Michael Freter: Die haben wir im Januar natürlich auch wieder. Wir werden, wie im letzten Jahr, die PSI Club Night am ersten Messeabend in der Nachtresidenz feiern. Der Eintritt ist kostenfrei, und wir erwarten zwischen 1.600 und 2.000 Gäste. Jung: Donnerwetter, das ist wirklich eine ordentliche Party.

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Netzwerken im Dienste des Werbeartikels bedeutet auch Lobbyarbeit unter Politikern. Walter G. Jung (l) 1973 im Gespräch mit Hubert Weber (SPD, r) und Kurt Spikmüller (FDP).

War die PSI-Messe in den 1960er Jahren reine Produktschau und Kontaktbörse oder wurde auf ihr auch geordert?
Walter G. Jung:
Das hat sich schneller entwickelt, als ich gedacht hätte. Bald wurden auf der PSI-Messe ganze Bestände aufgekauft. Angebot und Nachfrage haben sich gegenseitig hochgeschaukelt.

Fand die PSI-Messe eigentlich immer schon Anfang Januar statt?
Walter G. Jung: Ich habe die PSI-Messe einmal im Februar durchgeführt und dafür dann öffentlich Prügel bezogen: Denn der Termin war vielen zu nah an Karneval (lacht). Ansonsten fand die Messe immer im Januar statt, wobei ich aufgrund der geringeren Größe der Messe viel mehr Spielraum hatte als die Verantwortlichen heute. Der Termin Anfang des Jahres war jedenfalls richtig und ist aus einer praktischen Notwendigkeit heraus nie in Frage gestellt worden. Denn im Laufe der Zeit kam der Katalog als Verkaufsinstrument auf, und man wollte die Neuheiten so früh wie möglich zeigen, um so früh wie möglich, einen Katalog vorstellen zu können.

War denn die Dauer der Messe von Anfang an auf drei Tage festgelegt?
Walter G. Jung:
Es waren immer nur drei Tage. Um eine permanente Spannung hochzuhalten, braucht man einfach eine kurze Messe.
Michael Freter: Das hat sich bis heute so gehalten, obwohl man angesichts des Wachstums der Messe vielleicht denken könnte, dass vier Tage angebracht seien. Denn Händler, die intensiv arbeiten, kommen an drei Tagen kaum durch. Aber für die Aussteller, insbesondere die kleineren, sind vier Tage aufgrund der Personalressourcen, die gebunden werden, ein großes Problem. Wir halten daher an dem Drei-Tage-Konzept fest.

Ein weiterer wichtiger Punkt auf Messen ganz allgemein, insbesondere jedoch bei der haptischen Werbung, ist die Möglichkeit, die Exponate auch anfassen und ausprobieren zu können. War das auch ein Beweggrund für die Gründung einer Messe?
Walter G. Jung:
Absolut. Neben der kommunikativen Ebene gibt es auch die gegenständliche Ebene, das war mir von Anfang an klar. Ein Beispiel: Kalenderumschläge aus Leder sind manchem Händler vielleicht zu teuer. Um aber beurteilen zu können, ob die günstigere Variante aus Kunststoff das Lederprodukt ersetzen kann, muss man es anfassen können. Das kann man nur auf einer Messe.
Michael Freter: Die Haptik ist eine sehr emotionale Komponente. Man kann sie auch heute durch technologische Präsentationsformen wie digitalen 360°-Präsentationen nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen.

Die Premiere in Bad Soden war ein Erfolg. Warum sind Sie anschließend nach Bad Homburg und schließlich nach Düsseldorf gewechselt?
Walter G. Jung: Bad Soden wurde schlicht zu klein. Schon mit der ersten Ausstellung war das gelaufen. Das Kurhaus in Bad Homburg war dagegen riesig, und die Aussteller und Besucher kannten Bad Homburg von der Frankfurter Messe, die damals ja eine ganz andere Bedeutung als heute hatte. Aber nach zwei Ausstellungen wurden auch die Räumlichkeiten in Bad Homburg zu klein. Wir wechselten dann nach Düsseldorf. Dafür gab es damals eigentlich nur einen Grund: Von Anfang an habe ich versucht, die Internationalisierung des PSI voranzutreiben. Dafür war ein Standort wie Düsseldorf ideal. Denn nach Düsseldorf konnte ich Aussteller und Händler aus Holland und Belgien locken – und schon waren wir eine internationale Messe.

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1989 ist die Messe bereits bedeutend gewachsen.

Die Internationalität der PSI-Messe ist in der Folgezeit weiter gewachsen. Heute erhebt die PSI-Messe den Anspruch, die europäische Leitmesse für Werbeartikel zu sein. Wie wichtig ist da die weitere Internationalisierung der Messe in Düsseldorf?
Michael Freter:
Wir versuchen, die Internationalisierung stärker in den Vordergrund zu stellen. Unser Ziel ist ganz klar – und das deckt sich auch mit den Forderungen des Marktes – die PSI als internationale Messe weiter auszubauen. Hier besteht das meiste Wachstumspotenzial. Die Internationalität zeigt sich u.a. auf Ausstellerseite, wobei der Mix dabei stark abhängig von der wirtschaftlichen Situation in den jeweiligen Ländern ist. Wir haben Länder, die kontinuierlich in den letzten Jahren gewachsen sind, wie die Türkei, wohingegen Spanien sich in einer nahezu dramatischen Situation befindet, was sich dann auch in der Messebeteiligung einzelner Lieferanten niederschlägt. Darüber hinaus finden sich auf der Messe viele internationale Pavillons, wobei wir hier von der guten Zusammenarbeit mit Verbänden wie dem BPMA oder externen Partnern wie dem niederländischen Verlagshaus Het Portaal profitieren. Auf Besucherseite tragen wir dem Anspruch nach mehr Internationalität durch unser Besuchermarketing Rechnung. Wir stellen z.B. zur 50. PSI süd- und osteuropäischen Besuchern, die Neumitglieder sind oder die letzten zwei Jahre die PSI nicht besucht haben, ein Kontingent für 700 Hotelzimmer kostenlos zur Verfügung.

Ist eine solche Aktion auch eine Reaktion auf die geänderte Wettbewerbssituation durch die RemaDays Europe in Nürnberg?
Michael Freter: Nein, überhaupt nicht. Unsere Werbekampagne, die Intensivierung der Direktansprache, die Aktion mit den Hotelzimmern – alles das sind die Früchte unserer permanenten Diskussionen mit dem Markt und schon seit 2010 in Planung. Natürlich beobachten wir sehr intensiv, was sich in Nürnberg tut, aber wir haben nichts unter nommen, was als Reaktion auf eine neue Messe zu verstehen wäre.

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Von 1996 bis 2000 war das PSI im Besitz des Konzerns Miller Freeman Europe. Der Chef von Miller Freeman Deutschland, Rainer Klein (m, mit dem damaligen BGA-Präsidenten Michael Fuchs (l) und Jörg Dennig, Jung Bonbon, im Jahre 1999), lenkte in dieser Zeit die Geschicke der Messe.

Angesichts Ihrer Anstrengungen, die PSI Düsseldorf internationaler zu machen – empfinden Sie die vielen nationalen Messen, die es in den einzelnen Ländern gibt und an denen sich das PSI auch z.T. beteiligt oder beteiligt hat, als Konkurrenz?
Michael Freter: Aus unserer Sicht – also der einer großen europäischen internationalen Messe – sind sicherlich nicht alle nationalen Veranstaltungen notwendig. Es gibt sie aber nun mal. Wir verfolgen eine klare Strategie: Der Fokus liegt auf der PSI Düsseldorf – dennoch gibt es punktuelle Engagements von uns in einzelnen Ländern, um dort partiell Fuß zu fassen, eine Präsenz vor Ort zu haben und die Kontakte zum Markt zu vertiefen. Kooperationen, wie wir sie im Augenblick z.B. mit dem türkischen Verband Promoturk eingegangen sind, sind klassische Win-Win-Situationen für alle Beteiligten. Wir unterstützen eine Messe in Istanbul, der Verband unterstützt uns.

Früher war das PSI auch als Messeveranstalter in anderen Ländern aktiv. Es gab die PSI Paris, die PSI Warschau, die proPSI in Amsterdam. Alle diese Messen sind vom Markt verschwunden. Zieht das nicht auch einen Imageverlust für die Marke PSI nach sich?
Michael Freter:
Natürlich ist es nicht schön für uns, wenn es diese Messen nicht mehr gibt. Aber eines kann man sagen: Die PSI in Düsseldorf hat keinen Schaden genommen. Man darf auch nicht vergessen, dass die Gründe für das Ende der jeweiligen Messen sehr unterschiedlich sind. Eine so große und so heterogene Branche bekommt man nicht unter einen Hut. Für uns ist es wichtig, dass sich viele große Aussteller zur PSI in Düsseldorf als große und starke internationale Messe bekennen.
Walter G. Jung:
Ich denke, die Attraktivität der Messe in Düsseldorf ist so groß, dass viele Branchenprofis auf die Teilnahme an den kleineren, nationalen Ablegern verzichten. Düsseldorf ist eine hochattraktive Messestadt. Und die Messe wird hervorragend und intelligent geführt. Die PSI-Messe ist nicht schlechter geworden, seitdem ich nicht mehr da bin, im Gegenteil: Sie ist besser geworden.

Nun gehört das PSI als Tochter von Reed Exhibitions mittlerweile zu einem weltumspannenden Messekonzern und hat dementsprechend einen anderen Background als zu Ihrer Zeit. Den ersten Schritt zur Erweiterung haben Sie ja 1989 gemacht, als das PSI mit der Blenheim-Gruppe fusionierte. Aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung?
Walter G. Jung:
Die Hauptaufgabe der 1990er Jahre war die Globalisierung des PSI. Es war mir völlig klar, dass ich das als ein Mann, der damals auf die 60 zuging, nicht alleine schaffen konnte. Ich brauchte Unterstützung. Durch die Fusion mit Blenheim hatten wir auf einen Schlag 1.900 Mitarbeiter. Ein weiterer Beweggrund: Meine Frau und ich waren kinderlos und mussten uns überlegen, wie es in der Zukunft weiter geht. Das Unternehmen war es in jedem Fall wert, erhalten zu bleiben. Und die Zeit mit Blenheim war für mich hochspannend. Aufgrund des Börsengangs von Blenheim hatten wir finanzielle Mittel, konnten durch die Welt reisen und haben Messen gekauft. Das war für mich mal eine völlig andere Erfahrung.

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Nach der Übernahme des PSI durch Reed Exhibitions Deutschland im Jahre 2000 wurde Sabine Geldermann PSI Director und blieb bis 2008 in dieser Position. 2004 fungiert Geldermann als „Glücksfee“ am Stand des Schreibgerätespezialisten Prodir und zieht die Sieger eines Gewinnspiels. Links im Bild: der damalige Prodir-Marketingleiter Guido Casparis.

Die PSI-Messe war so erfolgreich, dass sie die anderen Aktivitäten des PSI oft überlagert hat. Wird das PSI zu sehr auf die Messe reduziert?
Walter G. Jung:
Das PSI war die Messe. Diese Wahrnehmung hat sich im Laufe der Zeit so entwickelt, war aber weder von mir beabsichtigt noch entsprach sie der Realität. Denn das PSI hatte gerade in der Anfangszeit vor allem deshalb einen so großen Erfolg, weil wir die Produktnachweise eingeführt haben, also eine Übersicht, bei welchem Lieferanten die Händler welche Produkte finden. Das war damals eine Sensation – es gab ja kein Internet, und viele Händler wussten nicht, über welche Quellen sie Produkte beziehen konnten.
Michael Freter:
In der Vergangenheit wurde das PSI mit der Messe gleichgesetzt. Doch wir arbeiten sehr daran, dass dem Markt deutlich wird, dass wir mehr sind als ein Messeveranstalter. Wir sind auch ein Dienstleister, der z.B. mit technologischen Entwicklungen wie dem Product Finder das Sourcing im Internet in den Vordergrund stellt, und der als solcher nicht nur einmal im Jahr für seine Mitglieder da ist, sondern 365 Tage.
Insofern ist das Thema Produktnachweis für uns immer noch hochaktuell. Denn der Produktnachweis von Herrn Jung war ja im Prinzip nichts anderes als der Product Finder in analoger Form. Wir kennen alle noch das Karteikartensystem, was Herr Jung aufgebaut hat.
Walter G. Jung: Mein Kompliment, was die Jungs draus gemacht haben. Der Produktnachweis war immer eine komplizierte Geschichte, denn er beinhaltete ja auch Informationen, z.B. ob Produkte die steuerliche Wertgrenze überschreiten oder ob sie in bestimmten Anwendungsbereichen evtl. gefährlich sind.
Michael Freter: Die Sicherheit von Produkten ist ein Aspekt, der immer stärker in den Vordergrund rückt, ebenso wie ganz allgemein Qualität, Gesetzeskonformität und Corporate Social Responsibility. Das sind heikle Themen, die die Diskussionen im Markt dominieren und zu denen wir uns als PSI auch positionieren, indem wir zum einen aufklären und informieren, zum anderen aber auch in Zusammenarbeit mit den Verbänden GWW und EPPA die Initiative ergreifen. Wir haben im GWW zum ersten Mal einen gemeinsamen Ehrenkodex für Deutschland entwickelt. Das kann nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einem Code of Conduct sein, den PSI-Mitglieder zu unterschreiben haben und den man dann als Qualitätskriterium auch in unsere Hersteller- und Händlerindizes mit aufnehmen könnte. Natürlich handelt es sich dabei um Absichtserklärungen der einzelnen Unternehmen, deren Einhaltung wir im ersten Schritt nicht kontrollieren können.

Unternehmen, die sich weder an Marktregeln halten noch nach sozial verträglichen Kriterien wirtschaften, gab es schon immer. War das früher einfacher, weil die Gesetze noch nicht ganz so rigide, die Kontrollen nicht ganz so stark waren?
Walter G. Jung: Nein, das war schwerer. Nach dem Krieg gab es unheimlich viele gebildete Leute, die im Werbeartikelmarkt agierten. Viele kamen aus der Kriegsgefangenschaft, hatten wenig Aussichten auf eine andere Anstellung, verfügten aber über Beziehungen zur Industrie. Sie agierten als Meinungsführer und wehrten sich erfolgreich gegen die sogenannten „Cowboys“. Zudem hat nicht zuletzt die PSI-Messe dazu beigetragen, dass der Zusammenhalt der Branche immer stärker wurde. Unternehmen wie z.B. Präsenta haben in Bad Homburg große Empfänge gegeben. Da kamen 500 Gäste aus der Branche. Das schweißte natürlich zusammen. So trauten sich immer weniger Unternehmen, auszuscheren. Außerdem war die Konkurrenzsituation damals noch nicht so groß wie heute.

Die PSI-Messe gilt ja immer auch als Leistungsschau der Branche: Wäre es da nicht logisch, die Messe zu verlängern und an bestimmten Tagen für Industriekunden zu öffnen?
Michael Freter:
Die Idee, die PSI-Messe an einem vierten Messetag für Industriekunden zu öffnen, wird immer wieder von Marktteilnehmern an uns herangetragen, und wir haben das in diesem Jahr auch noch einmal intensiv diskutiert, Stimmen aus dem Markt eingeholt und sogar konkrete Marktforschung betrieben. Doch die Meinungen in der Branche gehen so weit auseinander, dass wir entschieden haben, dass es für uns keinen Sinn macht, Kompromisse einzugehen. Aussteller müssten ihr Standkonzept ändern, andere Preislisten auslegen, mehr Personal zur Verfügung stellen. Das ist alles nicht stringent. Die PSI Düsseldorf bleibt daher eine geschlossene, reine Handelsmesse.

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Aus Tapeziertischen sind geräumige und aufwendige Stände
geworden, aus Kurhäusern fünf große Messehallen.

Mit diesem Konzept war die PSI bislang ja auch sehr erfolgreich. Was waren weitere Erfolgsfaktoren in der PSI-Geschichte?
Walter G. Jung: Fleiß und Offenheit. Die Konzentration auf ein großes Angebot beim Handel und die Internationalisierung, die ich von Anfang an gepusht habe. Ein weiterer Punkt: Ich habe mich immer um den direkten Kontakt zu den Marktteilnehmern bemüht. In meinem Büro hing eine Landkarte von Deutschland. Jedes Mal, wenn ich ein neues Mitglied gewonnen habe, habe ich den Standort mit einem blauen Fähnchen für die Hersteller und einem roten Fähnchen für die Händler markiert. Man konnte genau sehen, an welchen Autobahnen ich entlang gefahren bin. Der persönliche Einsatz hat sich bezahlt gemacht.
Michael Freter: Daran hat sich nichts geändert. Wir suchen die Kontakte in die Länder, in die Märkte. Gerade in Zeiten, wo sich die Märkte immer schneller bewegen, können wir die Händler und Hersteller nur dann unterstützen, wenn wir ihre Probleme kennen. Dafür brauchen wir den persönlichen Kontakt. Eine Messe wie die PSI, die so erfolgreich 50 Jahre am Markt ist, bedeutet auch eine ganz große Herausforderung. Der Erfolg ist kein Automatismus, auf dem wir uns ausruhen können. Sondern wir haben die bleibende Aufgabe, uns und die Messe immer weiter zu entwickeln.

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2016-10-21T11:34:07+00:0011. März 2014|