Schließen [x]

https://www.suesse-werbung.de/de/neuheiten.html?___store=de
www.print-tattoo.com
www.stickereimerkel.de
www.pfconcept.com
www.europeansourcing.com/free
http://www.reeko.com/_shop2017/index.php?language=de
http://www.senator.com/de_de/
www.wv-versand.de
www.uma-pen.com

Geschenkkultur der Wikinger

In der allgemeinen Wahrnehmung sind die Wikinger eher für „Nehmer-Qualitäten“ bekannt, immerhin versetzten sie mit ihren Raubzügen über Jahrhunderte hinweg die Küsten Europas in Angst und Schrecken. Und doch ist ausführlich dokumentiert, dass die Nordmänner auch geben konnten: In der Welt des Seefahrervolkes spielten Geschenke eine wichtige gesellschaftliche Rolle.
Kulturgeschichte des schenkens S.166

Es gibt kaum eine Epoche des Vormittelalters, der mehr Klischees anhaften als der Wikingerzeit: Bei dem Begriff „Wikinger“ ziehen sogleich todesverachtende Krieger mit Bärten, Zöpfen und Hörnerhelmen vor dem inneren Auge auf, die mit ihren Drachenbooten die Küsten Europas heimsuchen, um zu rauben, zu brandschatzen und anschließend literweise Met aus den Schädeln der Ermordeten zu trinken. Das meiste dieser sattsam aus Filmen, Romanen oder auch Comics bekannten Stereotypen hat wenig mit den historischen Tatsachen zu tun. Mancher Wikingerfan hört nicht gerne, dass die Wikinger im engeren Sinne, nämlich mehr oder weniger räuberische Seefahrer, nur eine sehr kleine Gruppe in den vormittelalterlichen skandinavischen Gesellschaften bildeten. Die meisten Nordmänner hielten sich sehr wohl an Regeln und Gesetze, waren sesshaft und gingen in ihrem Leben nur eine Zeit lang auf „Viking“, also auf Seefahrt.
Das belegen nicht nur archäologische Funde, sondern auch schriftliche Quellen – denn mit den Sagas, der Edda-Dichtung und den Liedern der Skalden, der Barden Skandinaviens, verfügte die Wikingerzeit bereits über eine ausgeprägte Literatur. Letztere liefert reichhaltige Zeitzeugnisse über Leben und Gesellschaft der Wikinger – u.a. über den prominenten Status, den Geschenke einnahmen. So heißt es in der Hávamál, einer 164 Strophen umfassenden Verssammlung, die wahrscheinlich aus Norwegen stammt und in einer altisländischen Fassung überliefert ist: „Nie fand ich so milden/ und kostfreien Mann/der nicht gerne Gabe empfing/mit seinem Gute/so freigebig keinen/dem Lohn wär‘ leid gewesen.“

Gabe und Gegengabe

In der Frühphase der Wikingerzeit – also dem späten 8. Jahrhundert – kannten die Bewohner des Nordens noch keinen Staat. Organisiert waren sie in Sippen und Familienverbänden. Die eigene Familie war heilig, sie stellte die entscheidende Schutzmacht für das Individuum dar. Ohne die Bande der Sippe galt der Einzelne nichts, gleichzeitig Kulturgeschichte des schenkens S.166 bärmusste die Familienehre unter allen Umständen gewahrt und verteidigt werden.
Zwischen den Sippen wiederum existierte ein großräumiges Netzwerk von Freundschaften. Die kargen Lebensumstände im unwirtlichen Norden und seine dünne Besiedelung – man geht z.B. davon aus, dass um 800 in ganz Norwegen etwa 100.000 Menschen lebten – erforderten einen gewissen Zusammenhalt. Begründet und gefestigt wurde das Sozialgefüge aus Freundschaften und Allianzen durch den Austausch von Geschenken: „Weißt du den Freund/dem du wohl vertraust/ und erhoffst du Holdes von ihm/so tausche Gesinnung/und Geschenke mit ihm“, lautet ein Passus in der Hávamál. Wie in vielen Kulturen unterlag der Austausch von Geschenken einem komplizierten System, dessen zentraler Bestandteil die Reziprozität war, also das Gleichgewicht aus Geben und Nehmen. Für ein Geschenk wurde immer ein Gegengeschenk erwartet, wie die Hávamál berichtet: „Der Freund soll dem Freunde/Freundschaft bewähren/und Gabe gelten mit Gabe/ … /Freunde sollen/ mit Waffen und Gewändern sich erfreu‘n/ den schönsten, die sie besitzen/Gab‘ und Gegengabe/begründet Freundschaft/wenn sonst nichts entgegen steht.“
Eine konkrete Situation schildert die isländische Saga Þórðar saga hreðu (Die Geschichte von Tord und seinem Ziehsohn). Tord, der von Thorir einen Mantel für seine Frau kaufen will, bekommt diesen geschenkt und verspricht dafür eine Gegenleistung: „Thorir sagte, er kenne ihn und seine Eltern. ‚Und ich möchte dir keinen Preis machen, sondern bitte dich, den Mantel von mir anzunehmen.‘ Thord dankte ihm dafür. ‚Ich will das annehmen. Ich möchte den Mantel hier liegen lassen, bis ich gehe und mir Geld hole.‘“

Von oben nach unten

Ebenso wichtig wie das Gleichgewicht aus Geschenk und Gegengeschenk war das Einhalten einer Rangordnung – denn es war genau festgelegt, wer wen beschenken durfte. Eine Verletzung dieser Regeln konnte eine schwere Beleidigung sein. So durfte der Rangniedrigere dem Ranghöheren keine Waffen schenken, sondern nur umgekehrt. Auch musste der Austausch von Geschenken bei Personen ungleichen Standes vom Ranghöheren ausgehen, da es sich um ein Ritual zur Begründung einer Freundschaft mit gegenseitigen Verpflichtungen handelte, die der niedriger Gestellte nicht dem höher Gestellten aufdrängen durfte.Kulturgeschichte des schenkens S.166 wikinger
Dieses Regelwerk begründete das Hierarchiegefüge der frühen Wikingerzeit, die anfangs noch keinen König kannte, sondern nur Fürsten, die sogenannten Jarle. Zwar konnte ein Jarl seinen Status weitervererben, doch waren die Anführer keineswegs Herrscher von Gottes Gnaden, die nur aufgrund ihres Status verehrt wurden – im Gegenteil: Sie mussten nicht nur besonders fähig sein, sondern sich die Gunst ihrer Gefolgschaft auch sichern, u.a. durch Geschenke. Je mehr ein Jarl zu bieten hatte, desto größer war die Gefolgschaft, die er um sich versammeln konnte, und damit seine Macht. Manche Theorien sehen die Raubzüge der Wikinger in Teilen darin begründet, dass die Anführer den Nachschub an „Beutelohn“ sicherstellen mussten.
Aus dieser Kombination von politischem Kalkül und Waffengewalt entstanden schließlich die ersten Königreiche des Nordens, in deren Machtapparat die Geschenkkultur erhalten blieb und weiter modifiziert wurde: Das Geschenk an den König wurde zur einzigen Gelegenheit, bei der niedriger Gestellte „nach oben“ schenken durften, allerdings waren in diesem Fall nur bestimmte Arten von Geschenken, das sogenannte „konungsgjöf“, erlaubt. Das konnte, wie Quellen berichten, ein kostbares Schiffssegel sein, ein Jagdfalke oder auch ein Bär. Der König selbst wiederum schenkte besonders verdienten Gefolgsleuten einen Armreif aus Gold, den zu tragen eine hohe Ehre war.

Wikinger weltweit

Im Zuge des enormen Handelsnetzes, das die skandinavischen Seefahrer im Laufe der Jahrhunderte erschlossen, floss ihre Geschenkkultur auch in die wirtschaftliche und politische Diplomatie fernab ihrer Heimat mit ein, und mit ihr ein interkultureller Warenaustausch: Seide aus Byzanz, Schwerter aus dem Frankenland oder Gewürze aus Arabien wechselten ihre Besitzer gegen Ware aus dem Norden: Pelze, Honig, Walrosszähne oder Schmuck, versehen mit der charakteristischen nordischen Ornamentik.
Mit fortschreitender Christianisierung und dem Erstarken der staatlichen Gewalt wuchsen auch die nordischen Regionen bald in das mittelalterliche Feudalsystem hinein. Es gab keine Jarle mehr, die mit einer freiwilligen Gefolgschaft und auf eigene Faust auf „Viking“ gehen konnten, und in dem Maße, in dem Machtstrukturen in ein „gottgegebenes“ Gefüge aus Adel und Klerus überführt wurden, verschwanden auch viele kulturelle Errungenschaften der Wikingerzeit – darunter die so ausgeklügelte Geschenkkultur der Nordmänner. Die Tradition des Freundschaftsgeschenkes war bald genauso vergessen wie die Tatsache, dass es jenseits des Atlantik einen anderen Kontinent gibt. Erst Jahrhunderte später wurden die alten Schriften wiederentdeckt, sodass Prophezeiungen wie der Schlusssatz aus der Hávámal, wenn auch spät, Wahrheit wurden: „Besitz stirbt/Sippen sterben/ du selbst stirbst wie sie/eins weiß ich/das ewig lebt: des Toten Tatenruhm.“

Print Friendly, PDF & Email
2016-10-21T11:34:05+00:0003. April 2014|