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Hermes Hansecontrol Group: Prüfer mit dem Ohr am Gleis

Immer strengere gesetzliche Rahmenbedingungen auf der einen und immer komplexere Produkte auf der anderen Seite: Unabhängige Prüfgesellschaften, die prüfen, zertifizieren und beraten, haben regen Zulauf, auch seitens der Werbeartikelbranche. Ein Besuch im Hamburger Hauptsitz der Hermes Hansecontrol Group.

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Wer sich durch den Fanartikel-Shop von Borussia Dortmund klickt, entdeckt eine Vielzahl origineller Produktideen: Da gibt es Reiseföns, Radios, Fußballtore für Kinder, Wärmflaschen, Gartenzwerge, Rasseln, Kirschkernkissen oder Babyflaschen. Merchandising abseits des Mainstreams, das nicht nur in Entwicklung und Produktion anspruchsvoller ist als Massenware, sondern auch, wenn es darum geht, die Unbedenklichkeit für den Verbraucher und die Konformität mit den gesetzlichen Bestimmungen sicherzustellen, einen hohen Aufwand mit sich bringt – denn auf entsprechende Tests zu verzichten, kann sich der BVB nicht leisten. Der Bundesligist, der im vergangenen Jahr über 30 Mio. Euro mit Fanartikeln einspielte, gehört – neben dem Hamburger SV und weiteren Vereinen aus der 1. Bundesliga – zu den Kunden der Hermes Hansecontrol Group.

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Lutz Lehmann, CEO der Hermes Hansecontrol Group.

Das 1982 gegründete Unternehmen, das seit 2011 unter der Dachmarke Hermes auftritt, ist eine 100%ige Tochter der Otto Group. „Anfangs ging es darum, die Produkte aus dem Otto-Portfolio – das waren zu 80% Textilien – im eigenen Haus testen und prüfen zu können“, erklärt CEO Lutz Lehmann. „Schon bald jedoch hat sich der Unternehmensbereich verselbstständigt. Heute sind rund 90% unserer Auftraggeber externe Mandanten. Geblieben ist die Fokussierung auf Konsumgüter. Im Gegensatz zu Riesen wie dem TÜV, die Kraftfahrzeuge, Personenaufzüge oder gar Kernkraftwerke prüfen und im Auftrag großer Konzerne arbeiten, konzentrieren wir uns bewusst auf den Mittelstand.“ Die Palette der geprüften bzw. zertifizierten Produkte reicht von Textilien, Lederwaren und Spielzeug über Möbel, Fahrräder und E-Bikes sowie Haushalts- und Sportgeräte bis hin zu Unterhaltungselektronik und Elektrogroßgeräten. Einen erheblichen Anteil haben nicht zuletzt Werbe- und Fanartikel.

Rund 450 Mitarbeiter sind weltweit für die unter dem Dach der Hermes Hansecontrol Group firmierenden Unternehmen tätig. Neben dem Prüfinstitut Hansecontrol und der Hansecontrol Zertifizierungsgesellschaft, beide am 2011 bezogenen Hamburger Hauptsitz ansässig, gibt es weitere Niederlassungen in Hong Kong, Schanghai, Dongguan und Mumbai.

Spezialisten sind gefragt

Etwa 150.000 Prüfungen werden jährlich allein am Hauptsitz in Hamburg vorgenommen. Im Schnitt entfallen sechs bis sieben Einzelprüfungen auf ein Produkt, bei komplexen Artikeln kann es jedoch auch deutlich mehr sein. In jedem Falle gilt: Die Tendenz geht zu immer aufwendigeren Prüfverfahren. Was früher ein einfacher Lautsprecher war, beinhaltet heute Multimedia- Schnittstellen, ein Netzteil und komplexe Schaltplatinen, und moderne Outdoor- Jacken bestehen z.T. aus Dutzenden von Einzelkomponenten. Gleichzeitig steigen die Restriktionen seitens des Gesetzgebers: „Das Rad steht nie still“, so Lehmann. „ProdSG und Spielzeugrichtlinie wurden in den vergangenen Jahren erheblich modifiziert, und auf der REACH-Liste stehen aktuell 151 Stoffe.“

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Die chemische Analytik erfolgt z.B. per Extraktion.

Eine Komplexität, die sich im Aufbau des Hamburger Prüflabors widerspiegelt: Neben chemischer Analytik, Sensorik, Textilphysik und Mechanik gibt es Abteilungen, die sich Elektrik und Elektronik sowie der EMV (elektromagnetische Verträglichkeit) von Produkten widmen. Alles, was unter den Begriff „Spielzeug“ fallen könnte, wird in einer eigenen Abteilung auf Konformität mit der Spielzeugrichtlinie EN 71 geprüft. Darüber hinaus testet das Institut Artikel des täglichen Bedarfs, darunter Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Sport- und Freizeitartikel, auf ihre Gebrauchstauglichkeit – dazu gehört auch die Konformität mit der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (EnVkV), der Öko-Design-Richtlinie und produktspezifischen Normen. Last but not least steht die Zuverlässigkeit von Verpackungen auf dem Prüfstand.

Entsprechend breit gefächert ist das Berufsspektrum, das die rund 200 in Hamburg tätigen Mitarbeiter abdecken: „Bei uns arbeiten Chemiker, Physiker, Elektro und Textilingenieure, Radio- und Fernsehtechniker, Industriedesigner und Bekleidungstechniker, um nur einige Beispiele zu nennen“, zählt Lehmann auf.
Je nach Kundenanforderung entsteht so ein maßgeschneidertes Dienstleistungspaket. Über die Sicherheitsprüfungen hinaus besteht die Möglichkeit, Produkte durch die Hansecontrol Zertifizierungsgesellschaft zertifizieren zu lassen: Die Tochtergesellschaft ist seit 2009 eine gesetzlich autorisierte GS-Prüfstelle. Das GS-Siegel bescheinigt Produkten, den Anforderungen des ProdSG zu entsprechen. „Zertifizieren kann man ein Produkt nur dann, wenn eine entsprechende Norm vorliegt, die EU-weit harmonisiert wurde“, erklärt Marketinglei ter Hendrik Dold. „Es ist z.B. nicht möglich, Kriterien wie ‚Waschbarkeit‘ oder ‚sauber laufende Rollen‘ zu zertifizieren – prüfen kann man derartige Eigenschaften natürlich sehr wohl. Auf unseren Prüfzeichen bieten wir dem Kunden daher die Möglichkeit, zu kommunizieren, welche Kriterien geprüft wurden – denn das ist natürlich ein Marketing-Faktor.“

Globaler Partner

Weil eine Vielzahl von Produkten in Asien gefertigt wird, ist es für viele Hersteller unerlässlich, bereits vor Ort Prüfungen oder ggf. auch Inspektionen vorzunehmen – hier treten die Tochtergesellschaften in China und Indien auf den Plan. „Wir raten unseren Kunden stets, so früh wie möglich in der Lieferkette anzusetzen, nicht erst dann, wenn das Produkt importiert wurde“, so Lehmann. „Unsere Mitarbeiter in Fernost sind nicht nur räumlich, sondern auch persönlich nahe bei den Produzenten und kennen regionale Besonderheiten im Hinblick auf Mentalität und Kommunikation.“

Letzteres ist besonders mit Blick auf langfristige Partnerschaften zu den Produzenten wichtig – und die sind nicht nur in der Werbeartikelbranche ein Muss, wie Lehmann weiß: „Große Einzelhandelskonzerne können jede Charge einzeln prüfen lassen, weil nur eine begrenzte Stückzahl produziert wird. Für Kunden, die einen Artikel über lange Zeit im Sortiment haben, ist das faktisch unmöglich. Deshalb ist es essenziell, eine enge, von gegenseitigem Vertrauen geprägte Beziehung aufzubauen.“
Zentral gesteuert werden die Prozesse von Deutschland aus. Hier sitzen die Kunden, und hier entscheidet der Gesetzgeber über neue Vorgaben und Rahmenbedingungen – laut Lehmann sehr regelmäßig: „Wir müssen ständig das Ohr am Gleis haben und unsere Prozesse schnellstmöglich anpassen, wenn es neue Anforderungen gibt. Solche Veränderungen geben wir dann auch an die Niederlassungen in Fernost weiter. Zwischen Hamburg und den verschiedenen Zweigstellen herrscht ein reger Austausch.“

Alleinstellungsmerkmale

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Eine eigene Abteilung ist der Spielzeugsicherheit gewidmet. Im Bild: Ein Testgerät zur Ermittlung der Geschwindigkeit von Spielzeug-Geschossen.

Ihre internationale Aufstellung erlaubt es der Hermes Hansecontrol auch, Dienstleistungen zu bieten, die über die reine Produktprüfung hinausgehen – ein Alleinstellungsmerkmal: „Testen nach vorgegebenen Standards kann jedes autorisierte Labor. Aber gerade mittelständische Unternehmen wünschen meist mehr als bloße Testergebnisse. Häufig werden wir bereits in der Phase der Produktentwicklung involviert und beurteilen Prototypen, bevor sie in Serie gehen“, erläutert Lehmann. „Wir erstellen dann eine sogenannte ‚Feasibility Review‘, auf deren Basis der Kunde das Produkt weiterentwickeln kann. Dabei sprechen wir auch Empfehlungen aus, raten z.B. dem Kunden, einen anderen Kunststoff zu verwenden oder bestimmte Bauteile anders zu formen. Außerdem erstellen wir eine Beurteilung, mit welchen Tests der Kunde beim fertigen Produkt rechnen muss.“
Ist ein Produkt erfolgreich getestet oder zertifiziert worden, bietet das Unternehmen noch eine weitere Dienstleistung: die Erstellung einer professionellen Gebrauchsanweisung. Mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigt die hauseigene technische Redaktion, und sogenannte „Corporate Manuals“ sind laut Lehmann ein echter Wachstumsmarkt: „Viele Bedienungsanleitungen im Markt sind zusammengeheftete Loseblattsammlungen mit kryptischem Inhalt. Wer in diesen Bereich investiert und es anders macht, hebt sich aus der Masse hervor.“
Am Ende entstehen also auch für den Kunden Alleinstellungsmerkmale, die über das Prüfsiegel hinausreichen. „Obwohl längst nicht jeder Importeur oder Hersteller gewissenhaft testen lässt und etliche gefährliche Produkte in den Markt gelangen – man braucht sich nur die Meldungen des europäischen Schnellwarnsystems Rapex vor Augen zu führen –, setzen viele Verbraucher Produktsicherheit und -qualität als selbstverständlich voraus“, so Lehmann. Für seriöse Unternehmen, die es sich nicht leisten können, die Produktsicherheit zu vernachlässigen, ist es also wichtig, ein Maximum aus den aufwendigen Testverfahren herauszuholen – nicht zuletzt, um einen Teil der investierten Kosten wieder einzuspielen. Denn die Gesetzgebung, das steht fest, wird auch weiterhin strenger werden.

 www.hermesworld.com

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2016-10-21T11:33:51+00:0001. Juli 2014|