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170 Jahre Kahla: Design oder Nichtsein

Wenn der thüringische Porzellanhersteller Kahla in diesem Jahr Jubiläum feiert, dann gleich doppelt: Zum einen das Jahr der Firmengründung, 1844, zum anderen das Jahr des Neustarts nach der Insolvenz, 1994. Auf insgesamt 170 Jahre Firmengeschichte blickt das Unternehmen zurück, alle Höhen und Tiefen der Geschichte der deutschen Porzellanindustrie hat Kahla miterlebt. Heute präsentiert sich das Unternehmen als innovative Design-Marke.

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Bei Magic Grip klappert, rutscht und kratzt nichts mehr.

Von außen wirkt das Firmengelände von Kahla beinahe so, als sei die Zeit stehen geblieben: Backstein-Produktionshallen liegen still zwischen Rasenflächen verteilt und durch baumbestandene Wege verbunden auf einem idyllischen Gelände am Rande der ostthüringischen Kleinstadt Kahla. Werksarbeiter fahren mit dem Fahrrad zwischen den Hallen hin und her, die Angestellten grüßen sich freundlich, wenn sie sich auf dem Gelände begegnen. Doch die Anmutung kleinstädtischer Geruhsamkeit könnte nicht trügerischer sein: In den Hallen steckt hochmoderne Maschinentechnik, in die in den vergangenen 20 Jahren mehr als 30 Mio. Euro investiert wurden. Isostatische Pressen und Druckgussmaschinen, ein vollautomatisches Ofen- und Handling-System, Verputz-Roboter und eine leistungsstarke Photovoltaik-Anlage auf den Dächern der Produktionshallen machen Kahla nicht nur zu einem technisch hoch performanten Hersteller, sondern auch zu einem energiewirtschaftlich nachhaltigen.

Eine ökonomisch und ökologisch optimierte Produktion ist aber nur ein Aspekt der Erfolgsgeschichte, die das ehrwürdige Unternehmen nach der Insolvenz in zwei Jahrzehnten zu neuer Größe geführt hat. Der andere Aspekt ist das Design. Bis zum heutigen Profil der Marke Kahla aber war es ein langer Weg.

Glanz und Scherben

Als Christian Eckardt das Unternehmen 1844 gründete, wurden in den Öfen von Kahla zunächst Pfeifenköpfe und Porzellanpuppen gebrannt. Das erste Stück verließ am 27. August 1844 den Ofen, 20 Mitarbeiter hatte Kahla zu diesem Zeitpunkt. Im folgenden Jahrzehnt entwickelte sich das Unternehmen zur größten Porzellanmanufaktur Thüringens, innerhalb eines halben Jahrhunderts zu einer der größten deutschen Porzellanmanufakturen. Ins Portfolio gehörten u.a. die Porzellanwerke Arzberg, Hutschenreuther und Schönwald. Nach Gründung der DDR wurde Kahla 1952 zum Volkseigenen Betrieb, 1961 wurden Fabrik- und Bürogebäude am heutigen Standort neu gebaut, eine für die Zeit moderne Tunnelofentechnologie wurde installiert. Die Marke wurde zum Exportschlager, 50% der Produktion wurden in mehr als 30 ost- und westeuropäische Länder exportiert. 1979 gehörten zum „VEB Feinkeramik“ 17 Porzellanwerke mit 18.000 Beschäftigten. Die Führung durch DDR-Planbürokraten tat dem Unternehmen aber auf Dauer nicht gut: Auch wenn immer mal wieder gute Designs entworfen wurden, begann ein langsamer wirtschaftlicher Niedergang.

Fam. Raithel Kahla Porzellan 29.04.2010

Fest in Familienhand: Kahla gehört zu 100% Holger Raithel (l), Günther Raithel und seiner Frau Rositta.

Zwei Jahre nach der Wende privatisierte die Treuhand das Unternehmen und verkaufte es an einen Investor, der aber keine brauchbare Geschäftsidee mitbrachte. 1993 musste Konkurs angemeldet werden. Das Traditionsunternehmen lag in Scherben. Rettung kam 1994 in letzter Minute, und zwar in Gestalt von Günther Raithel, der zuvor lange Jahre Manager bei Rosenthal gewesen war. Mit Raithel hielten Struktur und Stabilität Einzug, er implementierte das, was heute die bereits erwähnten Säulen von Kahla sind: Wirtschaftlichkeit durch moderne Technik sowie Kollektionen in unverwechselbarem Design.

In Chefdesignerin Barbara Schmidt fand Günther Raithel einen kongenialen Geist, der seine Vision von unverwechselbarem Design mit Mehrwert verstand. Seit 20 Jahren kommen aus ihrer Feder immer wieder preisgekrönte und vor allem kassentaugliche Entwürfe, die zur Sortimentsstrategie Günther Raithels – „Design oder Nichtsein“– passen. Der Durchbruch für Kahla nach dem unternehmerischen Neustart gelang 1998 mit der Serie Update, seitdem folgten zahllose Serien, die im Laufe der Jahre mit mehr als 85 Designpreisen ausgezeichnet wurden.

Artvertising mit besonderem Touch

Die heutige Sortimentsstruktur von Kahla gliedert sich in drei Bereiche: Haushalt, Professional (Hotellerie/Gastronomie) und Artvertising (Werbeporzellan). Neben der Sparte Professional, die Günther Raithel 1995 einführte, folgte 1997 der Bereich Artvertising: Unter diesem Begriff begann Kahla, sich den Werbeartikelmarkt zu erschließen. Heute bildet ein siebenköpfiges Team die Abteilung Artvertising, die sich sowohl um den nationalen als auch um den internationalen Vertrieb kümmert. Rund 20% des Gesamtumsatzes macht Kahla in dieser Sparte. „In den ersten Jahren war es ein hartes Geschäft, bei den Werbeartikelhändlern gegen das Billig-Importporzellan aus Fernost zu konkurrieren. Aber nach und nach haben sich die Vorzüge unserer Designs durchgesetzt, in den Anfragen geht es schon längst nicht mehr in erster Linie um den Preis, sondern um die Features“, erklärt Holger Raithel, der 2005 die Geschäftsführung übernommen hat.

Ein gutes Beispiel ist etwa die Serie Notes, beschreibbares Porzellan, das sich ideal bei Konferenzen oder Kundenevents einsetzen lässt. Oder die Serie Café Sommelier, die nach den Maßstäben von professionellen Kaffee-Kennern und Baristas im Hinblick auf den perfekten Kaffeegenuss entwickelt wurde. Zentrales Merkmal der Tassen ist ein eiförmiger Querschnitt zur Unterstützung der Crema. Eine optimale Wandstärke hält Getränke länger warm, der weich gerundete Tassenbord sorgt für ein angenehmes Trinkgefühl. Dazu kommen große Henkel für ein bequemes Halten. Auch die Serie Five Senses wartet mit funktionalen Details auf. So ist die Tasse nicht mittig auf der Untertasse platziert, sondern asymmetrisch – und ist so nicht nur ein Hingucker, sondern lässt auch Platz für Gebäck und andere kleine Aufmerksamkeiten. Bei der Five Senses-Zuckerdose wiederum verschwindet der Zuckerlöffel unter dem Deckel und macht somit eine Aussparung in der Dose, durch die Feuchtigkeit oder Keime eindringen können, überflüssig.

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Die samtige Veredelung touch! brachte Kahla 2004 den Durchbruch im Bereich Werbeporzellan.

Auch im Bereich der Veredelung hat Kahla Maßstäbe gesetzt. Die patentierte samtige touch!-Veredelung kam 2004 auf den Markt und gehört seitdem zu den Rennern: „Wir bekommen Anfragen von Unternehmen, in denen der Chef mal eine Kahla- Tasse mit touch!-Veredelung geschenkt bekommen hat und das nun unbedingt auch für sein eigenes Unternehmen einsetzen will. touch! war der Durchbruch unserer Marke im Promotion-Bereich. Nachfragedruck aus der Industrie, die besonderen Aspekte unserer Produkte und unsere einzigartigen Veredelungstechniken haben es uns ermöglicht, aus der Preisspirale auszusteigen“, so Josef Bösl, der seit 1997 als Key Account Manager den Artvertising-Bereich betreut. Wie genau die spülmaschinenfeste, in allen Farben des Regenbogens umsetzbare Beflockung touch! zusammengesetzt ist und auf das Porzellan kommt, gehört zu den bestgehüteten Unternehmensgeheimnissen: Die Produktion findet in einem abgetrennten Bereich in einer der Produktionshallen statt, zu dem keinem Fremden je Zutritt gewährt wurde.

Hightech und Handarbeit

Andere Bereiche der Produktion sind weniger geheim, im Gegenteil: Mit Stolz präsentiert Kahla seine Hightech-Produktionsanlagen. Flache Porzellanteile wie Teller oder Platten werden in isostatischen Pressen aus trockenem Porzellan-Granulat gefertigt. Das Kahla-Porzellan besteht einzig aus drei Rohstoffen: Kaolin, Feldspat und Quarz. Das daraus entstehende Hartporzellan ist das dichteste und stabilste Porzellan, seine Glasur mit einer Abrieb-, Riss- und Kratzfestigkeit von 8 Mohs (zum Vergleich: Diamant liegt bei 10 Mohs) macht es auch bei geringer Scherbenstärke extrem unempfindlich.

Tassen und Becher werden in der Regel gedreht: Dabei kommt halbfeste Porzellanmasse in eine Gipsform, mithilfe einer Metallschablone wird ein Hohlraum herausgedreht. Nach dem Trocknen wird per Hand nachgearbeitet: Die Ränder werden mit Schwämmen geglättet und gerundet, der Henkel manuell angesetzt. Tassen, die aus einem Guss sein sollen, werden im aufwendigen Druckgussverfahren gefertigt: Die Porzellanmasse wird in eine Form gepumpt, durch deren offene Poren durch Druck das Wasser entweicht. Zurück bleibt die fertige Tasse, die von einem Verputzroboter aus der Form genommen und geglättet wird. Egal ob isostatisch gepresst, gedreht oder im Druckguss gefertigt: Jedes Teil wird, nachdem es vollständig ausgetrocknet ist, im Glühbrand bei 900°C auf die Glasur vorbereitet. Anschließend werden die Teile vollautomatisch in die Glasur getaucht, dann erfolgt der Glattbrand bei rund 1.400°C. Die modernen Anlagen ermöglichen eine tägliche Produktion von ca. 40.000 Teilen. Ein großes Lager gibt es nicht, Kahla fertigt on Demand und arbeitet lediglich mit einem Produktionspuffer der meistgefragten Artikel.

Wachstum, wo andere schrumpfen

Die Zahlen geben der Unternehmenspolitik von Holger Raithel recht: Alle anderen Porzellanhersteller kämpfen, der Markt erlebt – auch durch den Druck billiger Importe aus Fernost – einen heftigen Strukturwandel und ist seit 1991 laut Verband der Keramischen Industrie von 800 Mio. auf 300 Mio. Euro (2013) Gesamtabsatz geschrumpft. Der Umsatz von Kahla jedoch hat sich in diesem Zeitraum verdoppelt und lag 2013 bei 22 Mio. Euro. Im Jubiläumsjahr sind die Umsätze seit Jahresbeginn sogar um satte 25% gestiegen. Ironie des Marktes: Der größte Wachstumsbringer für Kahla ist laut Holger Raithel derzeit China.

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Teller, Platten und andere flache Geschirrteile
werden in der isostatischen Presse hergestellt.
Hohlporzellan wie Tassen und Becher werden
maschinell gedreht und dann von Hand weiter
bearbeitet.

Die Zukunft im Blick

Dass die Marke Kahla auch in Zukunft zu den Innovationstreibern der Branche gehört, dafür sorgt die Kreativabteilung des Hauses: Mit der Innovation Magic Grip wird Porzellan seit diesem Jahr das Klappern und Rutschen ausgetrieben, die patentierte, fest mit dem Porzellan verbundene Silikon-Beschichtung an der Unterseite von Tassen, Tellern, Schalen und Co. sorgt für Rutschfestigkeit, dämpft Geräusche und schützt empfindliche Oberflächen vor Kratzern. Auch in den Nachwuchs investiert das Thüringer Unternehmen: Aus Mitteln der Günther-Raithel-Stiftung wird in unregelmäßigen Abständen der Design-Workshop „Kahla-Kreativ“ finanziert, bei dem junge Designer vier Wochen lang auf dem Gelände von Kahla künstlerisch und experimentell arbeiten dürfen.

Bei der Produktion wird ebenfalls auf Zukunftsfähigkeit gebaut: 2009 wurde die Nachhaltigkeitsstrategie „Kahla pro Öko“ vorgestellt, seit 2011 wird mit Sonnenenergie produziert, seit 2012 ist Kahla nach der Öko-Norm ISO 14001 zertifiziert. Key Visual für die Nachhaltigkeitsbemühungen des Unternehmens ist Karla, das Schaf, eine drollig gezeichnete Figur, die Besuchern in einer Ausstellung die „Kahla pro Öko“- Strategie erklärt. Und – da ist es wieder, das kleinstädtische Idyll: Karla grast mit ihrer Familie auch tatsächlich auf den Wiesen rund um die Produktionsstätten.

www.kahlaporzellan.com

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2017-10-02T12:18:14+00:0016. Dezember 2014|