Zertifikate und Auszeichnungen dienen als wertvolle Orientierungshilfe bei der Suche nach geeigneten Kooperationspartnern und helfen Unternehmen dabei, sich im Wettbewerb klar zu positionieren. Auch in der Werbeartikelbranche gewinnen beispielsweise Zertifizierungen wie B Corp zunehmend an Bedeutung. Unternehmen aus der Branche berichten, was hinter B Corp steckt, wie der Zertifizierungsprozess abläuft und welche Vorteile eine entsprechende Zertifizierung mit sich bringt.
Sie schaffen Vertrauen, bieten Sicherheit, signalisieren Seriosität, Qualität sowie offizielle Anerkennung und werden entsprechend gerne in der externen Kommunikation genutzt und präsentiert: Die Rede ist von Auszeichnungen und Zertifikaten. Dabei gilt: Je höher der Bekanntheitsgrad eines Zertifikats, desto positiver wird in der Regel auch das damit werbende Unternehmen wahrgenommen. Mit B Corp etabliert sich eine solche Zertifizierung zunehmend auch in der Werbeartikelbranche.
Zertifizierte B Corporations, kurz B Corps, erfüllen hohe Standards in Bezug auf soziale und ökologische Leistung, Transparenz sowie unternehmerische Verantwortung. Das „B“ steht für „Benefit“ und unterstreicht den Anspruch dieser Unternehmen, nicht nur wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen, sondern einen positiven Beitrag für Gesellschaft und Umwelt zu leisten. B Corps betrachten Profit also nicht als Selbstzweck, sondern bewerten ihren Erfolg an ihrem langfristigen Impact. Anstelle kurzfristiger Gewinnmaximierung setzen sie auf nachhaltige Wertschöpfung und verantwortungsbewusstes Handeln. Weltweit gibt es über 10.000 zertifizierte B Corps, mehr als 4.000 davon in der EU inklusive Großbritannien sowie über 100 mit Hauptsitz in Deutschland.
Für viele Unternehmen ist die Zertifizierung sowohl ein Instrument zur Weiterentwicklung als auch zur Positionierung im Markt. So erklärt Alexandre Gil, CEO beim portugiesischen Werbeartikellieferanten Aodaci, dass es für sein Unternehmen zwei zentrale Beweggründe gab: „Zum einen wollten wir uns als Unternehmen weiterentwickeln und verbessern, zum anderen uns klar im Markt differenzieren.“ Ähnlich beschreibt Ingrid Verschueren-Willemen, CEO des niederländischen Schirmspezialisten Senz, ihre Motivation: „Die B Corp-Zertifizierung war für uns ein naheliegender Schritt. Sie passt ideal zu unserer Unternehmens-DNA und fördert unser Streben nach höheren Standards in Bezug auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung.“

Auch bei Mepal, der Marke für Küchen- und To-go-Artikel aus Kunststoff, spielte der Zertifizierungsprozess eine wichtige Rolle. Wie Isabelle Menne, Key Account Managerin des Unternehmens, berichtet, wurde der Prozess von dem externen Partner NewKids (ehemals Rainbow Collection) begleitet, der das Team während aller Schritte unterstützt habe. „Die Zertifizierung zeigt, dass Mepal nicht nur Gewinn erzielen, sondern auch Menschen, Umwelt und Gesellschaft positiv beeinflussen will. Durch eine unabhängige Prüfung wird bestätigt, dass Mepal nachhaltig wirtschaftet, etwa beim Materialeinsatz, in der Produktion, bei der CO₂-Bilanz und der Produktlebensdauer. Immer mehr Händler, Mitarbeitende und Investoren achten zudem auf klare ESG- und Impact-Ziele. Die Zertifizierung hilft Mepal, sich hier klar zu positionieren.“
Dass die Zertifizierung auch die Kommunikation erleichtert, betont Lasse Torp Hansen, Marketing Automation Specialist bei Neutral, einem dänischen Lieferanten für nachhaltige und zertifizierte Textilien: „Die Zertifizierung und die Gesamtbewertung machen unser Engagement leichter kommunizierbar – besonders, da wir die höchste B Corp-Bewertung aller Unternehmen in der EU erreicht haben. Kunden können unseren Impact so klar verstehen, ohne jede einzelne Initiative im Detail erklären zu müssen.“
B Corps werden von B Lab geprüft und zertifiziert. B Lab ist ein gemeinnütziges, weltweit aktives Netzwerk mit dem Anspruch, wirtschaftliche Strukturen so zu verändern, dass sie Menschen, Gemeinschaften und dem Planeten gleichermaßen dienen. Als Impulsgeber für einen systemischen Wandel entwickelt die Organisation neue Standards und Instrumente und zeichnet Unternehmen als B Corporations aus, um ein verantwortungsbewusstes Unternehmertum zu stärken.

Umfangreicher Prozess
Der B-Corp-Zertifizierungsprozess startet damit, dass ein Unternehmen zentrale Angaben zu seiner Struktur, Unternehmensgröße, Branche und zum Marktumfeld bereitstellt. Auf Basis dieser Informationen bestimmt B Lab den konkreten Umfang der Zertifizierung. In diesem Schritt wird zudem ein Risikoprofil erstellt, und es werden die Marken registriert, die künftig das B Corp-Logo tragen dürfen.
Im nächsten Schritt bearbeitet das Unternehmen die Selbstbewertung und lädt die entsprechenden Nachweise hoch. Dies erfolgt über das B Impact Assessment (BIA) – ein Online-Tool, mit dem Unternehmen anhand eines umfangreichen Fragenkatalogs zu ihren Geschäftspraktiken und -ergebnissen ihre Wirkung in fünf Bereichen erfassen: Unternehmensführung, Mitarbeitende, Gemeinschaft, Umwelt und Kunden. Im Unterschied zu einer isolierten Betrachtung einzelner Produkte oder Dienstleistungen bewertet das Assessment also die Gesamtaktivitäten des Unternehmens. Erreichen Unternehmen eine verifizierte Mindestpunktzahl von 80 Punkten und bestehen die anschließende Risikoprüfung, können sie in den weiteren Zertifizierungsprozess eintreten.
B Lab ordnet dem Unternehmen dann einen Assurance-Anbieter zu. Dieser führt zunächst eine Risikobewertung durch und erstellt anschließend ein Angebotspaket, das aus zwei wesentlichen Bestandteilen besteht: dem Prüfungsangebot, in dem Bedingungen, Umfang und Kosten der Zertifizierungsleistungen festgelegt sind, sowie dem Prüfungsprogramm, das einen detaillierten Plan aller notwendigen Prüfungsaktivitäten enthält.
Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung beginnt der Auditprozess offiziell. Der Assurance-Anbieter überprüft die eingereichten Nachweise auf ihre Konformität mit den B Lab-Standards, fordert ggf. weitere Dokumente an und führt nach Bedarf Interviews mit Mitarbeitenden und Vor-Ort-Besichtigungen durch.
Abschließend werden festgestellte Nichtkonformitäten besprochen, ein Maßnahmenbericht zu erforderlichen Korrekturen erstellt und ein Auditbericht vorgelegt, der die einzelnen Anforderungen detailliert darstellt. Während der Phase zur Umsetzung von Korrekturmaßnahmen hat das Unternehmen die Möglichkeit, identifizierte Mängel zu beheben oder gegen die Feststellungen Einspruch einzulegen.
In der letzten Phase reicht das Unternehmen – sofern erforderlich – einen Maßnahmenplan zur Behebung festgestellter Abweichungen ein und korrigiert wesentliche Nichtkonformitäten innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten. Nach erfolgreicher Umsetzung trifft der Zertifizierer die positive Zertifizierungsentscheidung und stellt das B Corp-Zertifikat aus.
Anschließend übermittelt B Lab die Lizenzvereinbarung zur Unterzeichnung und erstellt das öffentliche B Corp-Profil auf der Website von B Lab. Dieses enthält Informationen zum Zertifizierungs- und Lizenzumfang, zu den bewerteten Leistungen sowie zu den zugelassenen Marken. Mit diesem Schritt ist der Prozess abgeschlossen und das Unternehmen offiziell als B Corp zertifiziert.
Zudem ist es vor Abschluss der Zertifizierung erforderlich, dass Unternehmen die eigene Unternehmensmission rechtlich verankern. Dafür wird die Satzung entsprechend angepasst, sodass bei unternehmerischen Entscheidungen die Auswirkungen auf sämtliche Stakeholder berücksichtigt werden müssen. Dieses Prinzip der Stakeholder-Governance stellt sicher, dass die Verantwortung nicht nur gegenüber Anteilseignern, sondern gegenüber allen Anspruchsgruppen wahrgenommen wird.
Zeitlicher & organisatorischer Aufwand
Dass der Weg zur Zertifizierung mit erheblichem organisatorischem Aufwand verbunden ist, bestätigen auch Unternehmen, die den Prozess bereits durchlaufen haben. Gil berichtet etwa, dass der umfangreiche Fragebogen schnell deutlich gemacht habe, dass sich sein Unternehmen organisatorisch grundlegend weiterentwickeln musste, um die Zertifizierung zu erreichen. „Der Prozess ist sehr streng, lässt keinen Spielraum für Beschönigungen und umfasst mehrere Interviews sowie eine deutlich tiefergehende Dokumentationsprüfung als vergleichbare Verfahren wie EcoVadis, FSC oder ISO. Ein B Corp-Status erfordert zudem Kompromisse – etwa Mitarbeitenden jedes Jahr eine bestimmte Anzahl bezahlter Tage zu gewähren für gemeinnützige Aktionen wie Strandreinigung oder Aufforstung. Heute sind solche Initiativen bei uns fester Bestandteil der Arbeitsroutinen.“
Den hohen Aufwand bestätigt auch Verschueren-Willemen: „Der Zertifizierungsprozess ist zeit- und arbeitsintensiv: Satzungen müssen angepasst und zahlreiche Unterlagen eingereicht werden. Zwar hatte Senz bereits viele Nachhaltigkeitsmaßnahmen umgesetzt, und die Grundlage war vorhanden, doch das Zusammenstellen und Aufbereiten aller Dokumente erforderte viel Konzentration und Organisation.“

Bis die Zertifizierung tatsächlich erreicht ist, kann es daher mehrere Monate dauern. Michael Stausholm, CEO und Gründer von SproutWorld, dem Unternehmen hinter dem pflanzbaren Bleistift, berichtet, dass von der Antragstellung bis zur offiziellen Zertifizierung fast 16 Monate vergangen seien. Ähnliche Zeiträume nennen auch andere Unternehmen: Gil und Verschueren-Willemen beziffern den Prozess z.B. auf etwa 18 Monate. Dass der Aufwand jedoch je nach Ausgangslage variieren kann, zeigt das Beispiel Neutral, wie Torp Hansen erklärt: „Bei uns dauerte der Prozess dank vorhandener Nachweise aus Zertifizierungen wie Fairtrade, EU Ecolabel oder GOTS nur rund neun Monate.“
Darüber hinaus müssen Unternehmen – abhängig vom Bruttoumsatz – eine jährliche Zertifizierungsgebühr zahlen, und alle drei Jahre wird im Rahmen einer Rezertifizierung überprüft, ob die Anforderungen weiterhin erfüllt werden. Für viele Unternehmen ist dieser Prozess zugleich eine Gelegenheit zur Weiterentwicklung. Stausholm berichtet, dass sein Unternehmen 2024 bereits die Rezertifizierung erfolgreich durchlaufen habe – mit einer höheren Punktzahl als beim ersten Mal. „Eigentlich wäre die nächste Rezertifizierung erst 2027 fällig gewesen.
Aufgrund der EU-Richtlinie ECGT, die 2026 in Kraft tritt, verlangt B Corp nun jedoch, dass alle Mitglieder sich vor September 2026 erneut rezertifizieren lassen müssen. Die Richtlinie soll Greenwashing verhindern und sicherstellen, dass Nachhaltigkeitsaussagen für Verbraucher klar, fundiert und verlässlich sind. Zwar erfordert die erneute Prüfung wieder Zeit und Ressourcen, aber ich sehe dies als sehr positive Entwicklung.“ Menne ergänzt: „Die Rezertifizierung fördert kontinuierliche Verbesserungen von Nachhaltigkeit und sozialer Wirkung. Aktuell führen wir Gespräche mit B Lab und NewKids zur Rezertifizierung und treiben den Prozess weiter voran.“
Grundsätzlich steht die Zertifizierung jedem gewinnorientierten Unternehmen offen, das seit mindestens einem Jahr besteht – vom Einzelunternehmen bis hin zum multinationalen Konzern. Abhängig von Unternehmensgröße, Umsatz, Branche und Eigentumsstruktur können jedoch ergänzende Anforderungen hinzukommen.

Vielfältige Vorteile
Die Zertifizierung bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Sie verankert Mission und Zweck dauerhaft in der Unternehmens-DNA und fördert durch den anspruchsvollen Prozess eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Viele B Corps berichten z.B. von einer starken, werteorientierten und inklusiven Unternehmenskultur. Darüber hinaus eröffnet die enge Zusammenarbeit innerhalb der globalen Community neue Marktpotenziale und Kooperationen, und auch als Arbeitgeber sind B Corps besonders gefragt.
Für Unternehmen wie Aodaci verschafft die Zertifizierung eine klare Differenzierung im Markt, wie Gil betont: „Die Zertifizierung positioniert uns in einem kleinen Segment nachhaltiger Lagerhalter. Langfristig bin ich überzeugt, dass B Corp die Denkweise des Marktes zunehmend verändern wird.“ Ähnlich sieht das auch Stausholm: „B Corp genießt weltweit hohe Anerkennung. Sowohl B2B-Kunden als auch Verbraucher erkennen das Logo als verlässliches Gütesiegel für nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Wirtschaften. Ich denke, dass die Zertifizierung im Laufe der Jahre definitiv zu zusätzlichen Geschäftsmöglichkeiten geführt hat.“
Verschueren-Willemen ergänzt, dass die B-Corp-Zertifizierung Kunden und Partnern klar signalisiere, dass Worte auch von Taten begleitet werden. „In Zeiten von Greenwashing schafft diese Transparenz Vertrauen, stärkt Beziehungen und bestätigt Senz als verantwortungsvollen Partner.“
Auch Torp Hansen hebt den kulturellen Effekt hervor: „Die B Corp-Bewegung prägt bereits die Branche und motiviert Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit. Für uns ist es keine Wohltätigkeit, sondern selbstverständlich, Landwirte und Fabrikarbeiter respektvoll zu behandeln und die Umwelt so zu schützen, dass sie sich langfristig entwickeln kann.“
Die B Corp-Bewegung zeigt also: Eine zukunftsfähige Wirtschaft ist nicht nur möglich, sondern notwendig – und Unternehmen spielen eine zentrale Rolle dabei, sie zu gestalten. B Corp versteht sich dabei nicht nur als Zertifizierung, sondern als Bewegung, die Wirtschaft neu denkt, sowie als System, das nicht allein am Profit gemessen wird, sondern am positiven Beitrag für Mensch, Umwelt und Gesellschaft. Je mehr Unternehmen diesen Weg einschlagen, desto stärker könnte sich auch das Verständnis davon verändern, was wirtschaftlicher Erfolg tatsächlich bedeutet. Die Frage ist längst nicht mehr, ob Unternehmen Verantwortung übernehmen sollten – sondern wer bereit ist, voranzugehen.
// Helen Lorenz
Bildquellen: Aodaci, Mepal, Neutral, Senz, SproutWorld