Profilbild SM MS online2 - „Wir müssen als Branche viel, viel lauter sein“

Moritz Schülbe

Mit einem offenen Brief wenden sich die Young Professionals des Gesamtverbands der Werbeartikel-Wirtschaft (GWW) an Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Darin kritisieren sie die aktuelle steuerliche Behandlung von Werbeartikeln, insbesondere die empfängerbezogene Aufzeichnungspflicht ab einem Wert von 10 Euro. Die Werbeartikel Nachrichten sprachen mit einem der Initiatoren, Moritz Schülbe, Schuelbe Promotion Service, über den Bürokratieirrsinn, die konkreten Forderungen und die notwendige Verbreitung der Kernbotschaften über Social Media.

Das Problem der Aufzeichnungspflicht für Werbeartikel ab einem Wert von 10 Euro ist ein leidiges Thema, das die Branche seit vielen Jahren behindert. Was gab den Anlass, gerade jetzt eine Initiative zu starten, dieses Thema anzugehen?

Moritz Schülbe: Im internen Austausch mit den Kollegen der Young Professionals ist das ein Thema, das immer wieder hochkocht, weil es die Zukunftsaussichten unserer ganzen Branche beschneidet. So entstand der Impuls, dass man dagegen etwas tun müsste. Gleichzeitig merken wir alle, dass intensiv über Reformen und Bürokratieabbau diskutiert wird. Und man hat das Gefühl: „O.k., wenn nicht jetzt, wann dann?“ Wenn wir wollen, dass die Anliegen der Werbeartikelbranche mitberücksichtigt werden bei den anstehenden politischen Entscheidungen, dann ist jetzt der Zeitpunkt, um tätig zu werden.

Poltische Arbeit ist Kernaufgabe des GWW-Vorstands. Warum sind Sie als Young Professionals innerhalb des Verbands zusätzlich aktiv geworden?

Die Kampagne ist mit dem GWW abgesprochen, aber es ist explizit eine Initiative der Young Professionals. Wir wollen den GWW in dessen politischen Bemühungen unterstützen und sind der Meinung, dass es auch eine junge Stimme braucht, um eine andere Perspektive zu schildern: nämlich die Sorge um die Zukunft der Werbeartikelbranche und der vielen Unternehmen in der Branche. Mit dem offenen Brief wollten wir klare Botschaften formulieren, hinter denen sich die Branche versammeln kann. Und wir bespielen einige Kanäle, die noch nicht ausreichend genutzt worden sind in der Vergangenheit.

Was sind das für Kanäle?

Zusätzlich zum Offenen Brief und der Veröffentlichung über die Presse verbreiten wir unsere Forderungen auf Social Media. Innerhalb der Young Professionals ist die Social Media-Affinität vielleicht etwas höher als bei den Branchenvertretern, die bislang Versuche unternommen haben, etwas in Richtung der Politik zu adressieren. Da die Politik heutzutage vor allem auch in die sozialen Medien schaut, müssen wir dort auch tätig sein. Das läuft jetzt über LinkedIn und Instagram.

Nun ist es nicht das erste Mal, dass ein Versuch unternommen wird, etwas an der steuerlichen Behandlung von Werbeartikeln zu ändern. Was macht Sie denn optimistisch, dass Sie gehört werden von der Politik? Muss man angesichts des geringen Standings der Werbeartikelbranche, des herrschenden Reformdrucks und der wirtschaftlichen Gesamtlage als kleine Interessensvertretung nicht befürchten, mit seinen Forderungen nicht wahrgenommen zu werden?

Ich bin immer der Meinung, wenn man nichts probiert, wird man auch nichts erreichen. Natürlich ist die Initiative auch aus der Hoffnung heraus geboren, dass man dieses Mal doch gehört wird. Damit das gelingt, müssen wir als Branche viel, viel lauter sein. Mein Eindruck ist: Politische Aufmerksamkeit entsteht nur, wenn Themen sichtbar gemacht werden. Diese Aufmerksamkeit müssen wir uns erarbeiten. Ein Anfang ist nun gemacht.

Was wünschen Sie sich jetzt für Support aus der Branche?

Teilen, teilen, teilen. Wir haben bereits damit begonnen, E-Mails an Bundestags- und Landtagsabgeordnete mit dem offenen Brief zu versenden. Was wir mit „laut sein“ meinen, heißt konkret, dass diese Forderungen an möglichst viele Politiker und Entscheidungsträger herangetragen werden. Hier brauchen wir die Unterstützung jedes einzelnen. Wenn sich die Branche hinter diesem offenen Brief versammelt und ihn aktiv teilt, wirkt die Botschaft umso stärker. Wir dürfen einfach nichts unversucht lassen, damit Bewegung in die Sache kommt. Es würde allen in der Branche zu Gute kommen.

Eine konkrete Forderung in Ihrem offenen Brief ist die komplette Streichung der Aufzeichnungspflicht. Wären Sie auch mit einer Anhebung der Wertgrenze als Kompromiss einverstanden?

Natürlich wäre das ein Teilerfolg, aber letztendlich nur ein Aufschub aufgrund der Inflation und bekämpft nicht das Hauptproblem. Dieser ganze Bürokratieirrsinn, der aktuell stattfindet, macht doch keinen Sinn. Die Daten, die gesammelt werden, stehen in keinem Verhältnis zum tatsächlichen steuerlichen Nutzen. Die Politik redet die ganze Zeit vom notwendigen Bürokratieabbau – bei diesem Thema gäbe es eine einfache und sinnvolle Möglichkeit, diesen auch durchzuführen: mit einer kompletten Abschaffung der Aufzeichnungspflicht ab 10 Euro Artikelwert.

Diese 10 Euro-Bürokratie, wie wir sie nennen, stellt doch eine erhebliche Behinderung der Wirtschaft dar. Zum einen müssen die Unternehmen einen großen Aufwand bei der Aufzeichnung betreiben. Zum anderen werden sie dazu verleitet, günstigste Produkte und damit auch billigste Qualität an Werbeartikeln einzusetzen. Dann entspricht der Werbebotschafter aber nicht dem Image, das das Unternehmen eigentlich transportieren möchte. Damit schwächen wir genau die Qualität und Nachhaltigkeit, für die deutsche Unternehmen und das Gütesiegel „Made in Germany“ eigentlich stehen.

Mit Moritz Schülbe sprach Dr. Mischa Delbrouck.