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Patrick Politze zum Einheitsverband: „Das Wir-Gefühl muss sich weiter entwickeln“

Herr Politze, nach mehr als zwei Jahren Vorarbeit ist der neue Einheitsverband nun zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengekommen: Ein historischer Tag für die deutsche Werbeartikelbranche?

Patrick Politze: Ich würde nicht unbedingt die Vokabel „historisch“ bemühen, wenngleich die Entscheidung der Mitglieder schon einen Einschnitt darstellt und so gesehen „historisch“ für die Verbandslandschaft der deutschen Werbeartikelbranche ist. Wir arbeiten daran, dass dies auch für die Branche und alle ihre Mitglieder irgendwann so sein wird, und wenn dann rückblickend die Gründung des neuen Einheitsverbandes einmal als Beginn eines neuen, erfolgreichen Zeitabschnitts gesehen wird, soll uns das recht sein, denn dann haben wir einen guten Job gemacht.

Die Zustimmung zum Einheitsverband war zum Schluss überwältigend – die Abstimmungsergebnisse in den Einzelverbänden lagen ja jeweils bei 100 oder nahezu 100 Prozent. Wieviel Überzeugungsarbeit war notwendig, um die verschiedenen Marktteilnehmer für die Idee zu begeistern?

Patrick Politze:
 Wenn man bedenkt, dass von der ersten Präsentation bis zur konstituierenden Sitzung mehr als zwei Jahre vergangen sind, wird deutlich, dass bis zur Fertigstellung des Realisierungsplanes gegen Ende letzten Jahres sehr viel Arbeit geleistet wurde. Es war am Anfang überhaupt nicht klar, welche Entwicklung das Projekt nehmen würde. Ein durchaus schon großer Teil der Mitglieder war begeistert und hat die Idee mitgetragen, andere waren skeptischer und haben die Vorteile des Einheitsverbandes erst später verifiziert. Aber schon das erste Konzept, das wir vorgestellt haben, war mit den Worten „überzeugen und mitnehmen“ überschrieben worden. Wir wollten alle Marktteilnehmer und alle bisherigen Einzelverbände für die Idee gewinnen. Doch ein Wir-Gefühl in der Branche musste erst entwickelt werden. Heute sind wir weiter als vor zwei Jahren, viele Vorurteile sind über Bord geworfen worden, aber wir stehen noch am Anfang. Das Zusammengehörigkeitsgefühl muss weiter wachsen, die Identifikation mit der Branche gestärkt, Einzelinteressen dem Gemeinwohl untergeordnet werden.

Patrick Politze, Vorstandsvorsitzender des GWW.

Patrick Politze, Vorstandsvorsitzender des GWW.

Die Verschmelzung der Einzelverbände bedeutete auch einen juristisch aufwendigen Akt, der viel Zeit und Arbeit forderte. Kann sich der GWW nun wieder verstärkt auf die eigentliche Verbandsarbeit konzentrieren?

Patrick Politze: Richtig ist, dass die Vorbereitung und Organisation der Verschmelzung der Verbände unheimlich viel Arbeit in unseren Backoffices verursacht hat, die nach außen oft gar nicht sichtbar geworden ist. Aber diese Arbeit ist von unserem Team zusätzlich geleistet worden, ohne dass darunter irgendein Verbandsprojekt gelitten hätte oder nicht angestoßen werden konnte. Unsere Performance in den letzten zwei Jahren war nicht schlechter als sonst, im Gegenteil: Wir sind große Herausforderungen angegangen.

Können Sie kurz den strukturellen Aufbau des neuen GWW erläutern?

Patrick Politze: Kern des Verbandes ist die Mitgliedschaft. Die Mitglieder wählen den Vorstand. Dieser setzt sich zusammen aus einem unabhängigen Vorstandsvorsitzenden, der keiner Sektion angehören soll, den Sektionsleitern und einem Vertreter des PSI. Der Verband ist in die vier Sektionen Markenartikler, Hersteller und Importeure, Händler sowie Branchendienstleister aufgeteilt, um verbleibende Einzelinteressen weiterhin wahren zu können. Ein Beirat und eine Schiedsstelle sollen bis Ende des Jahres errichtet werden, die Geschäftsstelle unter der Leitung von Ralf Samuel agiert von Köln-Frechen aus. Für sektionsübergreifende Projekte können wie gehabt Arbeitskreise eingerichtet werden. Bis Ende August sollte die Gründung der Sektionen abgeschlossen sein, jedes Mitglied erhält bis dahin einen Vorschlag, welcher Sektion es zuzurechnen ist und kann diesen Vorschlag annehmen oder sich um die Aufnahme in einer anderen Sektion bewerben.

Welche Projekte sind aus Ihrer Sicht die dringlichsten, denen sich der Verband annehmen muss?

Patrick Politze: Wir sehen uns mit einer Zunahme – aus unserer Sicht ungerechtfertigter – ökonomischer und politischer Beschränkungen konfrontiert. Da sind zum einen die überzogenen Compliance-Regelungen in Unternehmen zu nennen: Wir arbeiten daran, kurzfristig einen Leitfaden für Mitglieder zusammenzustellen, um ihnen die Rechtslage nahezubringen und ihnen Argumentationshilfen zu geben. Längerfristig geht es auch darum, auf die bestehenden Regelwerke Einfluss zu nehmen. Ein zweiter wesentlicher Punkt ist die steuerpolitische Ungerechtigkeit. Wir haben zuletzt sehr viel Arbeit darauf verwendet, die Auswüchse bzgl. § 37 b EStG (Pauschalierung der Einkommenssteuer bei Sachzuwendungen, Anm. d. Red.) einzudämmen. Konkret geht es darum, dass die Finanzämter bei Betriebsprüfungen den Unternehmen empfehlen, eingesetzte Werbeartikel ab der Grenze von 10 Euro pauschal mit 30% zu versteuern. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs hätte die Grenze von 10 Euro jedoch keinen Bestand mehr, sodass auch alle Streuartikel versteuert werden müssten. Im April wird das Bundesfinanzministerium final über diese Angelegenheit entscheiden. Die gute Nachricht: Wir haben ganz aktuell das Signal bekommen, dass der Werbeartikel keine Verschlechterung erfahren wird und alles bei der gängigen Praxis bleibt. Längerfristig wollen wir dahin, dass bis zu der Grenze von 60 Euro der § 37 b nicht greift. Das steht auch auf unserem steuerpolitischen Positionspapier, das auf unserer Website abgerufen werden kann. Und dann sind natürlich auch die nach innen gerichteten Projekte nicht zu vernachlässigen: Wir werden eine erfolgreiche Newsweek durchführen, ebenso wie eine erfolgreiche Trend und diverse verbandsinterne Meetings. Da ist alles im Fluss.

Verfügt der GWW über ausreichende finanzielle Ressourcen, um diese Aufgaben zu meistern?

Patrick Politze: Alle avisierten Projekte sind entsprechend budgetiert worden und werden aus den Mitgliedsbeiträgen des Verbands finanziert. Ein Vorteil der neuen Verbandsstruktur sind ja auch die Synergieeffekte in der Organisation, die Einsparungen bei der Verwaltung mit sich bringen. Sehr kostspielig ist allerdings die politische Interessensvertretung: Wir müssen Gutachten erstellen, Studien erheben, evtl. auch einmal Musterprozesse führen. Da kann ich nur an alle Marktteilnehmer appellieren – also nicht nur an die Verbandsmitglieder –, freiwillige Beiträge für unsere politische Arbeit zu leisten, denn was in Berlin zu unseren Ungunsten entschieden wird, trifft jedes Unternehmen unserer Branche. Und nur mit ausreichenden Mitteln können wir erfolgreich agieren.

Wie viele Mitglieder hat der GWW jetzt nach der Verschmelzung der Verbände?

Patrick Politze: Wir haben derzeit 298 Mitgliedsunternehmen, die vermutlich mehr als die Hälfte des Umsatzvolumens im deutschen  Werbeartikelmarkt repräsentieren.  Nahezu täglich sprechen wir mit interessierten potenziellen Neumitgliedern, die sich insbesondere nach dem Verbändezusammenschluss engagieren wollen. Mittelfristig sollten wir 400 Mitglieder erreichen, langfristig, wenn wir uns als „die“ Branchenvertretung etabliert haben, halte ich 500 Mitgliedsunternehmen, die mehr als 75 % der Wirtschaftsleistung im Werbeartikelsektor repräsentieren, für eine realistische Zahl.

Manche Marktteilnehmer verweigern die Mitgliedschaft im Verband mit der Begründung, Verbandsarbeit würde ja auch ohne ihre Beteiligung erfolgen: Was entgegnen Sie solchen Statements?

Patrick Politze: Das sind Trittbrettfahrer, die vergessen, dass es keine Verbandsarbeit und damit keine Vorteile für die Branche gäbe, wenn alle so dächten. In anderen Branchen ist es für professionelle Marktplayer Teil des Selbstverständnisses, sich in Verbänden zu engagieren – übrigens trotz weit höherer Mitgliedsbeiträge als die 1.000 Euro im Jahr, die wir erheben. Zudem bieten wir unseren Mitgliedern eine ganze Reihe von Leistungen, mit denen sie sich Wettbewerbsvorteile verschaffen können. Studienergebnisse, Leitfäden, Konjunkturerhebungen, Rechtsfragen, Informationen über politische Entscheidungen – den Zugriff auf derartige Materialien erhalten unsere Mitglieder z.T. exklusiv. Zukünftig werden wir noch stärker unterscheiden, welche Informationen wir allgemein zugänglich halten und welche nur unseren Mitgliedern vorbehalten sind. Das ist ein Akt der Fairness gegenüber denjenigen, die sich engagieren. Nicht zuletzt bildet der Einheitsverband mit seinen Meetings eine übergreifende Networking-Plattform aller Marktteilnehmer, um – und zwar erstmals über alle Barrieren hinweg – miteinander reden und Entwicklungsprozesse anstoßen zu können. Das allein ist schon Grund genug für eine – aktive – Mitgliedschaft.

Sie führen das neue GWW-Präsidium in einer Art Übergangszeit bis zur ersten Jahreshauptversammlung am 16. Dezember.Wie geht es  dann weiter?

Patrick Politze: Auf der Jahreshauptversammlung, die übrigens symbolträchtig im Verbändehaus in Berlin stattfinden wird, wählen die Mitgliederden neuen Vorstand, der den Verband die nächsten zwei Jahre führen soll. Bis dahin realisieren wir eine dem Konzept entsprechende Organisation.

Werden Sie sich erneut zur Wahl stellen – schließlich haben Sie das Projekt maßgeblich initiiert und vorangebracht?

Patrick Politze: Mir persönlich war es wichtig, den Einheitsverband als notwendige Reaktion auf das veränderte Marktgeschehen in unserem Wirtschaftsbereich zu realisieren und eine entsprechend gut funktionierende Organisation zu installieren. Nun gilt es, die Strukturen mit Leben zu füllen und dazu beizutragen, den Verband und die Branche in eine prosperierende Zukunft zu führen. In welcher personellen Konstellation das erfolgen wird, ist aus meiner Sicht erst einmal nicht aktuell – gut geeignete Kandidaten lassen sich sicher finden. Wichtig ist, dass partikulare Interessen hinten angestellt werden und das Erreichen gemeinsamer Ziele im Vordergrund steht.

 

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2016-10-21T11:33:03+00:0030. April 2015|