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CSR-Berichtspflicht

Rückwirkend ab dem 1. Januar 2017 gilt für große Unternehmen die CSR-Berichtspflicht, wonach sie jährlich ihre Aktivitäten mit Blick auf Umwelt, Arbeitnehmer- und Sozialbelange darlegen müssen. Auch an der Werbeartikelbranche als Teil der Lieferkette werden die Auswirkungen des neuen Gesetzes vermutlich nicht ganz spurlos vorübergehen.

wn362 nachhaltikeit slider - CSR-Berichtspflicht

Nachhaltigkeit ist derzeit ein großes Thema in der Werbeartikelbranche: Da gibt es kaum noch einen Lieferanten oder Händler, der z.B. auf seiner Homepage nicht seine Kompetenz und Vorbildfunktion auf diesem Gebiet herausstellt. Das Übernehmen gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung gehört heute zur Überzeugung Vieler – aber auch zum „guten Ton“ und wichtigen Aspekt in der Außendarstellung, nach dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber“. Ob das aus eigenem Antrieb geschieht oder auf Drängen des Marktes, ist wohl von Fall zu Fall verschieden. Doch nun scheint es so, als würden über kurz oder lang die politischen Rahmenbedingungen auch in der Branche indirekt ihre Auswirkungen zeigen: Im März d. J. hat der Deutsche Bundestag den Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2014/95 zur Offenlegung von nichtfinanziellen Informationen in nationales Recht angenommen. Nachdem Ende März auch der Bundesrat grünes Licht gegeben hatte, wurde das Gesetz am 18. April 2017 im Bundesgesetzblatt verkündet. Danach sind Unternehmen rückwirkend zum 1. Januar 2017 aufgefordert, einmal im Jahr ihre Daten zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption offenzulegen.

Die CSR (Corporate Social Responsibility)-Berichtspflicht gilt für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, einem Umsatz von über 40 Millionen Euro bzw. einer Bilanzsumme von über 20 Millionen Euro, für Unternehmen, die kapitalmarktorientiert sind, sowie für Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften unabhängig davon, ob sie börsennotiert sind. Kommt ein berichtspflichtiges Unternehmen der Veröffentlichung der Informationen nicht nach, so können erhebliche Bußgelder verhängt werden, die bis zu zehn Mio. Euro betragen und sich nach Umsatz und Gewinn bemessen. Auch wenn die allermeisten Unternehmen der Werbeartikelbranche nicht direkt betroffen sein dürften, könnte die CSR-Berichtspflicht auch für sie zunehmend von Bedeutung sein. Denn wenn große Unternehmen sich zum Beispiel über die Beziehungen entlang ihrer Wertschöpfungskette äußern müssen, werden sie Informationen zu den Nachhaltigkeitsleistungen ihrer Zulieferer verlangen.

Positives Image

wn362 nachhaltigkeit 1 - CSR-Berichtspflicht

Die Job-Räder, Photovoltaik-Anlage und selbst gepflanzte Dachbegrünung sind nur ein paar Beispiele, wie sich der Taschenspezialist Halfar für den Umwelt- und Klimaschutz einsetzt.

Eine Revolution müssen Lieferanten und Händler deshalb allerdings nicht befürchten – schon gar nicht diejenigen, die bereits große Konzerne zu ihren Kunden zählen. Denn bei denen ist das Thema Nachhaltigkeit in der Regel schon längst fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie, und sie verlangen bereits entsprechende Nachweise von ihren Zulieferern. Bei der Essener Werbeartikelagentur promostore hat man in dieser Richtung bereits Erfahrungen gesammelt, wie Stefan Frank, Leiter Marketing, erzählt: „Den Kunden ist es aktuell schon sehr wichtig, dass die Artikel ökologisch und sozialverträglich hergestellt wurden. Viele Konzerne setzen schon seit einiger Zeit bestimmte Zertifikate und Standards voraus.“ Frank hat aber auch festgestellt, dass die Entwicklung weitergeht: „Das Thema gewinnt an Relevanz, denn die Mittelständler ziehen hier gerade nach.“ Nachhaltige Produkte sind eben „in“, denn sie transportieren ein gutes Gewissen und somit auch das positive Image gleich mit. Bei promostore hat man ein deutlich gestiegenes Interesse an entsprechenden Produkten aus dem Shop feststellen können: „Die Anfragen haben sich in den letzten Monaten sehr stark gemehrt. Beispielsweise reicht vielen Kunden eine Tragetasche aus Baumwolle nicht mehr aus. Die Baumwolle soll aus nachhaltigem Anbau kommen und am besten auch Biozertifiziert sein. Ein anderes Beispiel ist unser Bambusfaser-Becher, den wir seit einiger Zeit im Angebot haben und der eine immense Nachfrage erzeugt“, sagt Frank. Dass dies auf das neue Gesetz zurückzuführen ist, ist unwahrscheinlich.

Allerdings ist die Sensibilisierung für nachhaltige Produkte ein Trend, der sich durch die CSR-Berichtspflicht aller Voraussicht nach noch verstärken wird, wie Peter Kaspar, Head of Sales beim Fullservice-Spezialisten Global Brand Concepts, bestätigt: „Das Thema CSR-Berichtspflicht wurde noch nicht aktiv an uns herangetragen. Wir gehen davon aus, dass man sich kundenseitig zunächst auf die eigene Produktion sowie die Rohstofflieferanten konzentrieren wird. Der Bereich Werbeartikel spielt bei nahezu allen Kunden in der Gesamtbetrachtung der hierfür relevanten Themen eine untergeordnete Rolle. Wir sind uns aber sicher, dass dieses Thema spätestens 2018 für unsere Kunden bzw. unsere Branche relevant wird.“ Das gestiegene Bewusstsein für nachhaltige Artikel sieht Stefan Lutz, Geschäftsführer bei Proline Werbeartikel, auch als Chance für die Branche: „Das Angebot der Werbeartikelhersteller in diesem Bereich wird zunehmend vielfältiger und innovativer. Es gibt somit bessere Möglichkeiten, adäquate Produkte ausfindig zu machen. Auch wenn der Preis in der Branche eine wichtige Rolle spielt – letztlich will der Kunde gute Produktqualität, gesundheitliche Unbedenklichkeit und einen Artikel, der seinen Zweck erfüllt. Da fällt das Billiggelumpe schon von vornherein aus dem Raster. Nachhaltige Werbeartikel bieten noch einen Mehrwert – sie können ein positives Image glaubhaft vermitteln und schenken ein gutes Gefühl.“ Um die eigene Kompetenz im Bereich Nachhaltigkeit weiter zu stärken, hat man bei Proline mit Ramona Heinold erst kürzlich extra eine Nachhaltigkeitsbeauftragte eingestellt.

Bedeutung von Standards

wn362 nachhaltigkeit 2 - CSR-Berichtspflicht

Groß auf seine Fahnen geschrieben hat sich Proline Werbeartikel das Thema Nachhaltigkeit. Hier der Firmensitz im bayerischen Gefrees.

Im Zuge der CSR-Berichtspflicht werden Zertifikate und die Einhaltung von Standards voraussichtlich noch an Bedeutung gewinnen. Zwar schreibt das Gesetz den berichtspflichtigen Unternehmen nicht vor, dass ein bestimmtes Rahmenwerk oder ein konkreter Standard befolgt werden muss, allerdings müssen Unternehmen begründen, wenn sie keinen der bestehenden Standards nutzen. Beim Taschenspezialist Halfar kann man das gelassen sehen. Das langjährige BSCI-Mitglied mit Ökoprofit-Zertifikat hat sich das Thema Nachhaltigkeit nämlich bereits seit längerem auf die Fahnen geschrieben. Zwar räumt Geschäftsführer Armin Halfar ein, dass es einen unübersichtlichen „Strauß an Siegeln und Zertifikaten“ gebe, aber er weist auch auf deren Notwendigkeit hin: „Nachhaltigkeit muss messbar sein. Daher sind Zertifikate wichtig.“ Gleichzeitig warnt er jedoch vor zu viel Gutgläubigkeit: „Der Wahrheitsgehalt von Zertifikaten aus Asien ist oft fraglich. Ich habe bei einem Besuch einer Fertigung, mit der wir nicht zusammenarbeiten, selbst erlebt, dass mir ein abgelaufenes Dokument vorgelegt wurde. Darauf hingewiesen, dauerte es drei Minuten, bis mir das gleiche Zertifikat mit geänderter Jahreszahl vorgelegt wurde. Aus diesem Grund lassen wir unsere Materialien von unabhängigen Prüflaboren auf unsere Kosten testen. Nur so können wir sichergehen, dass das Prüflabor tatsächlich tätig war.“

Wie ernst es großen Unternehmen – auch ohne obligatorischen CSR-Bericht – mit dem Thema Nachhaltigkeit ist, hat Halfar in der Vergangenheit bereits mehrfach beobachten können. So hat er schon Händler mit ihren Endkunden zu den asiatischen Produktionsstätten begleitet, weil sie sich mit eigenen Augen von den Bedingungen vor Ort überzeugen wollten. „Wir haben einen festen Kundenstamm an Händlern, die es sich gegenüber ihren Endkunden nicht leisten können, mit unechten Zertifikaten zu hantieren.“ Was erwartet die Werbeartikelbranche also als Teil der Lieferkette großer Unternehmen nach der Einführung der CSR-Berichtspflicht? Der große Sturm, der alles durcheinanderwirbelt, wird ausbleiben. Denn die Sensibilisierung für ökologische und nachhaltige Produkte ist in der Branche in vielen Bereichen längst vorhanden, und wer bereits große Unternehmen zu seinen Kunden zählt, ist mit dem Thema in der Regel sowieso vertraut. Die CSR-Berichtspflicht ruft hier keinen Trend ins Leben, sondern verstärkt einen bestehenden nur. Es bleibt allerdings abzuwarten, welche Folgeerscheinungen das immer stärkere und nun auch politisch angefachte Bewusstsein für Nachhaltigkeit haben wird, und ob z.B. die für die Berichtspflicht relevante Grenze von 500 Mitarbeitern auf längere Sicht auf die bereits diskutierten 250 Mitarbeiter gesenkt wird. Auch für Stefan Frank steht fest: „Die Branche ist schon im Wandel und wird sich aufgrund der Vorgaben der Politik, aber auch der Kunden, noch nachhaltiger entwickeln. Ohne Nachhaltigkeit und nachhaltiges Arbeiten wird es auf Dauer nur schwer funktionieren.“

// Rebecca Klug

Fotos: Brit München © WA Media, Halfar, Proline Werbeartikel

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2017-10-24T11:08:52+00:0007. Juni 2017|