Seit dem Frühjahr 2017 bringen drei Konstanzer den klassischen Knödel in neuen Geschmacksvariationen wieder so richtig ins Rollen. Zu einer absolut runden Sache wird die Delikatesse aus dem Glas durch einen besonderen Brotrettungsplan.

Fleischlos 04 - Knödelkult: Knödelige Botschaften im Glas

Man nehme einen Maschinenbauer, einen Architekten und eine Juristin, vermische die drei bei einem Stammtisch, würze das Trio mit einer kulinarischen Vorliebe für Beilagen und einem kräftigen Schuss Nachhaltigkeit, füge eine Prise Gründungsmut hinzu, und fertig ist das Start-up Knödelkult. Soweit das Blitzrezept – genaugenommen sind aber doch ein paar mehr Zubereitungsschritte nötig, bis so ein junges Unternehmen wie das aus Konstanz tatsächlich servierfertig ist. So wurde z.B. die ursprüngliche Vision einer Knödelmaschine, die aus altem Brot vollautomatisch leckere Beilagen zaubert, schnell wieder verworfen. Der Grundidee, in Bäckereien übriggebliebenen Broten neues Leben zu schenken, blieben die drei Gründer aber treu.

„Wir stellen unsere Knödel zu 100% aus dem unverkauften Brot ausgesuchter Bäckereien her“, erklärt Juristin und Mitgründerin Janine Trappe, die sich u.a. ums Marketing kümmert. „Jedes Jahr werden allein in Deutschland über 500.000 t Brot weggeworfen. Dokumentarfilmer Valentin Thurn geht in seinem Film Taste the Waste davon aus, dass Bäckereien bis zu 20% ihrer Tagesproduktion unverkauft entsorgen. Dabei wussten schon unsere Großmütter, dass man mit Brot vom Vortag die besten frischen Knödel macht. Wir verwenden maximal einen Tag alte Backwaren und achten gemeinsam mit unseren Partnerbäckereien auf beste Qualität. Unser Ziel ist es, mehr Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln zu schaffen.“ 

Team Knoedelkult Sissi Kandziora Leuchtquelle - Knödelkult: Knödelige Botschaften im Glas

Für sie hat der Knödel das Zeug zum Hauptdarsteller auf dem Teller (v.l.): Matthias Helmke, Felix Pfeffer und Janine Trappe von Knödelkult.

Für Fleischfans, Vegetarier und Naschkatzen

Während das Trio anfangs noch selbst Abend für Abend die teilnehmenden Bäckereien abklapperte und die eingesammelte Ware in einer eigens angemieteten Küche verarbeitete, hat das Knödelkult-Team mittlerweile einen festen Partner gefunden, der diese Arbeit übernimmt. Auch die Produktion erfolgt inzwischen extern bei einem bayerischen Lebensmittelproduzenten. Dadurch, dass der Teig roh ins Glas gefüllt und anschließend in Autoklaven gegart wird, sind die Knödel besonders lange haltbar und den faden Instant-Varianten aus dem Supermarkt geschmacklich weit voraus. „Konservierungsstoffe, künstliche Geschmacksverstärker oder Aromen kommen uns nicht ins Glas“, erläutert Trappe. „Wir verwenden ausschließlich hochwertige Zutaten. Aktuell arbeiten wir daran, die Kriterien für das Bio-Siegel zu erfüllen. Bäckereien mit passenden Brotsorten und ausreichend Überschuss zu finden ist allerdings eine große Herausforderung.“ Die Zubereitung des schmackhaften Klassikers hingegen ist denkbar einfach: Den Serviettenknödel aus dem Glas stürzen, in Scheiben schneiden und kurz in der Pfanne anbraten, in der Mikrowelle erhitzen oder auf dem Grill anrösten. Jedes Glas enthält 350 g und reicht für bis zu drei Beilagen. Die Semmelknödel passen nicht nur zu Festtagsmenüs wie Hirschgulasch mit Rotkraut und Maronen, die vegetarischen Varianten peppen auch Gemüse- und Salatgerichte auf, Knödelstücke kommen am Spieß auf den Grill, und Knödelscheiben machen als Burgerpatty zwischen zwei Brötchenhälften einiges her. „Die beiden deftigen Sorten Klassiker Reloaded mit Speck und Zwiebeln sowie Knödel Pur mit Zwiebeln und Petersilie sind am beliebtesten“, weiß Trappe.

Maschinenbauer und Hobbykoch Matthias Helmke, der die Rezepte entwickelt, kreiert am liebsten ausgefallene Sorten wie den Fleischlos Glücklich-Knödel mit Karotten und Curry. Trappe: „Da kann es durchaus schon einmal vorkommen, dass man um acht Uhr morgens fünf verschiedene ‚Brototypen‘ verkosten muss. Die süßen Varianten wie Bread Apfel mit Zimt und Mohn Amour mit Mandeln kommen bei unseren Kunden ebenfalls sehr gut an, wenn sie den ersten Schritt gewagt und eine der beiden süßen Sorten probiert haben.“ Von Cheesecake mit Knödelboden bis hin zu süßem Geknödel mit Sahne und Himbeeren hält die Knödelkult-Website nicht zuletzt zahlreiche Vorschläge für leckere Desserts bereit.

Trifft den Geschmack von Bund und Branche

Geschenkbox Quer V3 mit Logo - Knödelkult: Knödelige Botschaften im Glas

Deckelaufkleber und veredelbare Boxen sorgen für CI-gerechtes Branding. Individuelle Anhänger oder spezielle Etiketten sind ebenfalls umsetzbar.

2017 zeichnete das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die drei Gründer für ihr Engagement in Sachen Lebensmittelverschwendung aus. Beim Bundespreis „Zu gut für die Tonne“ machten sie in der Kategorie „Produktion“ den ersten Platz. Neben der Zutatenbeschaffung agiert das Start-up auch in anderen Bereichen möglichst nachhaltig. So verzichten die Konstanzer z.B. beim Versand weitestgehend auf Plastik. Zur Auspolsterung der Versandschachteln nutzen sie spezielles Füllmaterial aus Karton und zur Festigung Papierbänder statt Klebeband.

Die Knödel im Glas können nicht nur über den Online-Shop geordert werden. Architekt und drittes Knödelkult-Gründungsmitglied Felix Pfeffer, der sich u.a. um den Vertrieb kümmert, hat die leckeren Kreationen bereits in die Regale einiger Feinkostläden sowie regionaler Edekaund Rewe-Märkte gebracht. Fest im Blick hat das Trio zudem die Werbeartikelbranche: „Firmen, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, ein originelles Produkt einsetzen möchten oder eine kulinarisch interessierte Zielgruppe ansprechen wollen, finden in unseren Knödeln den passenden B(r)otschafter“, so Trappe. „Eine große Schreinerei aus dem Schwarzwald verwendete unsere Produkte z.B. als Weihnachtspräsent, und ein Anbieter aus dem Campingbereich nutzt sie als Türöffner bei Verkaufsgesprächen.“ Veredeln lassen sich die Gläser mit kleinen Anhängern, Logostickern auf dem Deckel und bei höheren Stückzahlen auch mit individuellen Etiketten. Die 3er- und 6er-Boxen werden mit bedruckten Banderolen, Rezeptkarten, persönlichen Grußbotschaften oder einem Pfannenwender aufgepeppt.

Über 55 t Brot konnten Trappe, Helmke und Pfeffer bislang retten. So zeigt sich mal wieder: Als ambitionierter Gründer sollte man immer einen Blick über den Tellerrand werfen – denn dann kann man seine Brötchen auch mit altbackenem Brot verdienen und der laufend nach Innovationen Ausschau haltenden Werbeartikelbranche ganz nebenbei ein neues Produkt an die Hand geben, mit dem sich nachhaltig werben lässt.

// Jasmin Oberdorfer

www.knoedelkult.de

Fotos: Kultimativ (2); Sissi Kandziora/Leuchtquelle (1)

Print Friendly, PDF & Email