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Fliedner Werkstätten: Marktfähigkeit statt Mitleidsbonus

Theodor Fliedner

Normalität, Individualität, Teilhabe – das sind die Leitbegriffe der Theodor Fliedner Stiftung, die sich seit beinahe 180 Jahren um die Belange hilfsbedürftiger Menschen kümmert. Diese Leitbegriffe haben sich auch die Mitarbeiter der Fliedner Werkstätten auf die Fahnen geschrieben: Hier arbeiten Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen sowie mit psychischen Erkrankungen – gemeinsam, jeder nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen, und trotz aller Besonderheiten irgendwie auch ziemlich normal.

Sechs Betriebe gehören zu den Fliedner Werkstätten am Hauptsitz der Stiftung in Mülheim an der Ruhr, zwei davon sind auf Veredlungstechniken spezialisiert und bieten ihre Dienstleistungen vor allem für die Werbeartikelbranche an. Tassenveredelung, Textilbedruckung, Lasergravur und Tampondruck – hier entsteht, was Werbeartikel zu Werbeartikeln macht.

In der Betriebsstätte Mühlenbergheide z.B. dreht sich alles um die Bedruckung von Porzellan, Glas und Keramik: Seit 15 Jahren kümmert sich Werkstattleiter Jürgen Auberg hier um Aufträge und Kunden. „Angefangen hat alles mit Glühweinbechern. Einer unserer Mitarbeiter wurde von der Werbegemeinschaft Mülheim-Saarn angesprochen, ob wir nicht Tassen für deren Nikolausmarkt bedrucken könnten. Zu der Zeit haben wir nur Tampondruck gemacht – und das auch auf den Glühweinbechern probiert. Das hat natürlich nicht funktioniert, der Druck hat sich schon beim ersten Spülen wieder abgelöst. Unser Ehrgeiz war aber geweckt, wir wollten die Möglichkeit der Tassenveredlung gern anbieten können. Wir haben uns also in das Thema eingearbeitet und den Transferdruck für uns entdeckt, haben unsere Werkstatt entsprechend aufgerüstet und bieten seitdem – soweit ich weiß als einzige Behindertenwerkstatt in Deutschland – keramischen Buntdruck an.“

Durch Mitarbeiterkontakte gehörten der Westdeutsche Rundfunk und der Hessische Rundfunk zu den ersten Kunden. Die Fliedner Werkstätten bedruckten für die Sender – anfangs exklusiv – Tassen mit Lizenzthemen wie der „Augsburger Puppenkiste“, der „Lindenstraße“ oder der „Sendung mit der Maus“. Nach und nach weiteten sie ihre Dienstleistungen auf den gesamten Markt aus, „heute haben wir Kapazitäten für die Veredlung von 2.000 Tassen pro Tag“, so Auberg. Eine Stückzahl, die allerdings selten ausgeschöpft wird: „Unsere Regelaufträge bewegen sich zwischen 100 und 1.000 Stück.“

Die Fliedner Werkstätten bieten dem Werbeartikelhandel ab Lager ein ausgewähltes Sortiment von Tassen, Henkelbechern, Gläsern und anderen Geschirrteilen, dazu gehört auch die exklusiv angebotene Porzellan-Serie Nemo und Bozo. Bei Bedarf wird von anderen Herstellern zugekauft, der Kunde kann die zu bedruckenden Geschirrteile aber auch selber anliefern.

Zwischenablage022Alles in Handarbeit

Der keramische Buntdruck geschieht in Handarbeit. Dafür werden zunächst Bögen mit Transfers der Druckmotive von einer Partnerdruckerei angefertigt und nach Mülheim geliefert. Auf einem Bogen können dabei verschiedene Motive platziert werden. Die Werkstatt-Mitarbeiter lösen die Transfers in warmem, mit Spülmittel versetztem Wasser an, nehmen sie vom Bogen und bringen sie an der richtigen Stelle der Tasse auf. Mit einem Rakel werden Luftbläschen und Falten aus dem Transfer entfernt, über Nacht kommen die Tassen dann zum Brennen in den 820 Grad heißen Brennofen.

Vier Stunden dauert ein Brenngang, vier weitere Stunden müssen die Tassen zum Abkühlen im Ofen bleiben. „Der Transfer ist auf eine Lackmaske aus Zucker gedruckt, die bei 300 Grad verbrennt“, erklärt Nadine Prediger, die seit fünf Jahren in der Werkstatt in Mühlenbergheide arbeitet. „Das ist notwendig, damit das Druckmotiv nicht verläuft. Das Motiv selber verbindet sich dann mit der Lasur und wird so kratz- und spülmaschinenfest.“

Vier bis sechs Wochen Lieferzeit werden für die meisten Aufträge kalkuliert. „Ich arbeite jetzt seit 25 Jahren hier und habe noch nie erlebt, dass wir einen Termin nicht halten konnten“, meint Werkstattleiter Auberg. „Zur WM 2006 hatten wir einen Großauftrag über 64.000 Tassen, die in vier Wochen fertig sein mussten. Der Auftrag hat uns an unsere Grenzen gebracht, aber selbst das haben wir mit vereinten Kräften geschafft.“

Termindruck, hohe Qualitätsansprüche, flexible Kundenwünsche – das sind auch in den Fliedner Werkstätten keine Fremdworte. „Wir stehen hier im ganz normalen Wettbewerb mit anderen Veredelungsbetrieben und müssen uns genauso den Marktanforderungen fügen. Die Kunden erwarten professionellen Service, und das ist auch richtig so: Wir wollen keinen Mitleidsbonus“, meint Auberg.

Einige wirtschaftliche Vorteile gegenüber Werkstätten, die mit nicht-behinderten Mitarbeitern arbeiten, gibt es aber trotzdem: So können Unternehmen 50% der Lohnkosten, die ihnen von den Fliedner Werkstätten in Rechnung gestellt werden, auf die Ausgleichsabgabe anrechnen, die sie an den Staat zahlen müssen, falls sie selber keine Menschen mit Behinderungen beschäftigen. „Manche unserer Auftraggeber decken ihre komplette eigentlich fällige Ausgleichszahlung auf diese Weise ab“, erklärt Auberg. Außerdem wird für die Dienstleistungen von Behindertenwerkstätten nur ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von 7% angesetzt. „Da wird spitz gerechnet, Image oder ein soziales Gewissen allein sind für die Kunden selten die Beweggründe, mit uns zusammenzuarbeiten“, so Auberg.

Einen weiteren großen Vorteil haben Kunden bei den Fliedner Werkstätten: Alle Veredlungsaufträge sind hier im Grunde schon ab der Stückzahl 1 möglich. „Das rechnet sich nicht immer, etwa, wenn Einrichtungskosten anfallen“, erklärt Jan Sauer, Gruppenleiter in der Betriebsstätte Kranbahnallee, der mit seinem Team Produkte per Tampondruck veredelt. „Aber dadurch, dass bei uns alles in Handarbeit gemacht wird, können wir auch sehr kleine Aufträge annehmen.“

Keine Massenproduktion

Theodor Fliedner

Werkstattleiter Jürgen Auberg hat den Aufbau der Tassenveredlung von Anfang an begleitet.

Die Betriebsstätte Kranbahnallee ist 2008 in ein ultramodernes Gebäude auf dem Gelände des Siemens Technoparks in Mülheim gezogen, hier befinden sich neben dem Tampondruck auch Textildruck (mit Schwerpunkt Flex- und Flockdruck) und Lasergravur. Wie in allen Veredlungsbereichen der Fliedner Werkstätten wird auch hier nicht auf die Massenproduktion gesetzt: Im Einsatz sind ein Plotter und eine Transferpresse, „unsere Stärke liegt in kleinen Auflagen“, betont Silke Lück, die die Textildruckerei leitet. Kinderkleidung, Workwear und Sportbekleidung gehören zu den am stärksten nachgefragten Produkten, die Textilien werden innerhalb von drei bis fünf Tagen vom Großhändler geliefert, bei einem Auftrag von 500 T-Shirts mit einseitigem Druck kalkuliert Silke Lück insgesamt drei bis vier Wochen Lieferzeit.

Auch Thomas Schacher, der als Gruppenleiter den Bereich Lasergravur betreut, wickelt alle Aufträge an einer einzigen Maschine ab. „Wir können alle natürlichen Materialien bereits ab der Stückzahl 1 veredeln, da wir keine Einrichtungskosten haben.“ Schilder, Stempel und Trophäen gehören zu den besonderen Stärken, „im Prinzip können wir aber alles gravieren, was auf die Arbeitsbühne der Maschine von 74 x 43 cm passt – egal ob aus Stein, Holz, Glas, Filz, Schiefer oder Metall.“ Mit dem Laser sind feinste Gravuren möglich, „es lassen sich sogar QR-Codes oder Barcodes damit laserlesbar gravieren“, so Schacher.

Theodor FliednerNeben den Veredlungstechniken werden in den Fliedner Werkstätten in Mülheim weitere Dienstleistungen angeboten, die z.T. auch für die Werbeartikelbranche interessant sind: Dazu gehören u.a. ein Fullservice-Lager- und Logistikzentrum, Verpackungsarbeiten, die Montage von Produkten, Lettershop-Services und eine Kerzenproduktion. 640 Menschen mit Behinderungen und 120 weitere, qualifizierte Mitarbeiter sorgen so in den sechs Werkstätten dafür, dass die Leitbegriffe Normalität, Individualität und Teilhabe mit Leben gefüllt werden. 

www.werkstaetten.fliedner.de

[box] Gegründet wurde die heutige Theodor Fliedner Stiftung 1844 vom evangelischen Pastor Theodor Fliedner als Diakonenanstalt Duisburg. Heute beschäftigt sie bundesweit rund 2.000 Mitarbeiter und engagiert sich in der Altenhilfe, in der Assistenz von Menschen mit Behinderungen, in der Psychiatrie und Psychotherapie sowie in Ausbildung, Forschung und Lehre. Die Stiftung bietet an bundesweit über 30 Standorten ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote. Die Fliedner Werkstätten als ein Teil der Theodor Fliedner Stiftung gibt es seit 1964. Sie verteilen sich auf sechs Standorte in Mülheim an der Ruhr und sind nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert.[/box]

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2016-10-21T11:34:55+00:0024. Mai 2013|