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Die Kunst des Schenkens in China

Zwischenablage01

Zwischenmenschliche Beziehungen nennt man in China „Ren Quin“ – und die Bedeutung der einzelnen Wortteile macht ziemlich unmissverständlich deutlich, worauf es dabei ankommt: „Ren“ steht für „Mensch“, „Quin“ für „Liebe“, „Beziehung“, aber auch für „Gefälligkeit“. Geben und Nehmen haben im sozialen Gefüge Chinas eine hohe Bedeutung, sowohl was immaterielle als auch was materielle Zuwendungen angeht. Gefälligkeiten und Geschenke sind der Klebstoff für das persönliche Netzwerk, das wiederum unerlässlich für das persönliche Vorankommen ist. Die Kunst des Schenkens hat eine lange Tradition in China und ist bis in die heutige moderne Gesellschaft ein komplexer Indikator für soziale Stellung, zwischenmenschliche Kompetenz, Geschick im Geschäftsleben und die Qualität von Beziehungen.

Bloß keine Blumen

Das Schenken läuft nach festen Regeln ab – die für Reisende oder Geschäftsleute, die damit nicht vertraut sind, aber auch schnell zum Stolperstein werden können. Um das Spiel von Geben und Nehmen zu verstehen, hilft ein Blick in den Alltag. Da es so extrem viele Menschen in China gibt, lernt jeder Chinese von Kindheit an, sein unmittelbares soziales Netzwerk, „Ren Qin Wan“ (Wan: „das Netz“), zu managen – die so ziemlich wichtigste Sozialfähigkeit in China. Geschenke sind dabei ein sichtbares Mittel, sowohl um die soziale Ordnung aufrecht zu erhalten als auch, um zwischenmenschliche Bezüge zu verdeutlichen. Geschenke sind gleichzeitig Verpflichtung: Es gelten ungeschriebene Gesetze, welche Geschenke zu welchem Anlass und für welche Personen erwartet werden. Wer ein Geschenk bekommt, muss seinerseits zum nächstmöglichen und passenden Zeitpunkt ein Gegengeschenk überreichen. Der Inhalt des Geschenks und die Häufigkeit des Geschenkaustauschs spiegeln die Beziehungsqualität zwischen Schenkendem und Beschenktem wider. Der Wert der Geschenke sollte dabei genau genommen eher nebensächlich sein – wichtiger ist es, den Geschenkverkehr richtig zu regeln. Auf diese Weise wächst ein soziales Netz vom Privatbereich bis hin zum Arbeitsplatz, das aus vielen Fäden besteht, die sich in alle Richtungen verlängern lassen. Dieses Netz wird auch „Guanxi“ genannt, von seinem Wirken bleibt in China kaum eine Entscheidung unbeeinflusst. Die Kehrseite: Das Geflecht aus Gefälligkeit und Verpflichtung bildet zugleich die Grundlage für Vetternwirtschaft.

Zwischenablage01Besser „Shou Biao“ als „Song Zhong“

Kulturelle Besonderheiten machen die Wahl eines Geschenks in China zur diffizilen Angelegenheit: Zum einen sind die Chinesen Meister darin, Dinge nicht direkt anzusprechen, sondern zwischen den Zeilen zu vermitteln. Zum anderen haben Wortklang und Symbolik in China eine sehr große Bedeutung. Umsicht ist also geboten beim Schenken – Vieles, was in westlichen Kulturen als absolut salonfähig gilt, würde in China für entsetzte Blicke sorgen. Einem Geschäftspartner z.B. eine Uhr zu überreichen, würde, anders als bei uns, nicht als Zeichen besonderer Wertschätzung verstanden, sondern als Andeutung, dass dessen Zeit abgelaufen ist. Das chinesische Wort „Zhong“ für Uhr kommt auch in „Song Zhong“ vor, was ungefähr so viel heißt wie „beerdigen“. Das gilt allerdings nicht für Armbanduhren, die heißen „Shou Biao“ und sind somit unverfänglich. Blumen als Aufmerksamkeit für die Frau des Gastgebers sind ebenfalls keine gute Idee: Sie werden in China fast ausschließlich als Grabschmuck verwendet. Als Affront werden auch Messer empfunden, symbolisieren sie doch, dass etwas zerschnitten wird, und werden in China als Ende der Freundschaft gedeutet. Bei mehrteiligen Geschenken ist ebenfalls Vorsicht geboten: Hier sollte die Anzahl niemals vier betragen. Bei einem Satz Porzellanteller etwa sind drei oder fünf in Ordnung, die Zahl „vier“ jedoch wird in Mandarin ausgesprochen wie das Wort für „tot“. Zu den gern gesehenen Gesten gehören Einladungen zum Essen. Anders als bei uns wird dabei allerdings nicht erwartet, dass die Gäste brav alles aufessen – im Gegenteil, das wäre eine Blamage für den Gastgeber. Hintergrund: Im Reich der Mitte herrscht noch heute in vielen Teilen große Armut. Auch viele Angehörige der heute wohlhabenden Mittelschicht haben Armut oft noch persönlich erlebt. Mit Nahrungsmitteln großzügig umgehen zu können ist daher für viele Menschen in China Ausdruck des eigenen Wohlstands. So kommt es nicht selten dazu, dass Gerichte nachbestellt werden, obwohl eigentlich niemand mehr hungrig ist – einfach, um etwas übrig lassen zu können. Generell gelten essbare oder trinkbare Geschenke als gute Wahl, vor allem Spezialitäten aus der Heimat des Schenkenden werden geschätzt. Egal was aber geschenkt wird, es sollte immer verpackt sein – idealerweise in Rot, der Farbe des Wohlstands. Auch sollte der Schenkende nicht beleidigt sein, wenn seine Gabe nicht sofort ausgepackt wird: Es ist in China eher unüblich, vor den Gästen auszupacken, damit wartet man bis zum nächsten Tag oder zumindest bis nach der Feier. Es kann sogar passieren, dass das Geschenk trotz mehrfacher Aufforderung zunächst nicht angenommen wird – es gehört zum guten Ton, sich zu zieren. Da hilft nur Hartnäckigkeit – dann klappt es auch mit dem „Ren Quin“.

Bildquelle: iStockphoto (1); Thinkstock (2)

 

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2016-10-21T11:34:41+00:0015. August 2013|