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Die Tradition der Staatsgeschenke

Der Austausch von Geschenken beim Besuch von Politikern und Staatsoberhäuptern hat eine Jahrtausende währende diplomatische Tradition. Mit regionalen Spezialitäten und individuell ausgesuchten Präsenten demonstrieren die Mächtigen dieser Welt ihre gegenseitige Wertschätzung. Dabei ist der symbolische Wert weit über dem finanziellen Gegenwert anzusiedeln.

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Die Aufregung in manchen Blogs war groß: Wollte Angela Merkel dem chinesischen Präsidenten Xi Jingping bei seinem Berlinbesuch am 28. März d.J. etwa eine subtile Botschaft übermitteln? Auf versteckte Art für ein freies Tibet eintreten? Oder gar China gegen Russland und Putin aufwiegeln? Anlass für die teilweise hysterisch anmutenden Spekulationen im Internet war das Geschenk, das Merkel ihrem Gast überreichte: eine historisch wertvolle Karte aus dem Jahr 1735, die das „Reich der Mitte“ in seinen damaligen Grenzen konturierte. Und diese unterschieden sich in sensiblen Punkten von den heutigen: Nördliche Teile gehören mittlerweile zu Russland, andere Gebiete wie Tibet, die China für sich beansprucht, sind jedoch noch nicht inkludiert. Ein kluger Schachzug oder ein Affront gegenüber der chinesischen Regierung? Weder noch, beeilte man sich in Berlin zu versichern, die Kanzlerin habe niemals vorgehabt, mit der Karte eine Anspielung zu machen. „Niemand“, so Vize-Regierungssprecher Georg Streiter, bekäme von der Bundesregierung „etwas geschenkt, das ihn vor den Kopf stoßen könnte“.
Dem darf man getrost Glauben schenken, denn alles andere wäre auch nicht nur ein gravierender Verstoß gegen die herrschenden Sitten, sondern würde auch den Sinn des diplomatischen Geschenks komplett auf den Kopf stellen. Seit Jahrtausenden beschenken sich die politisch Mächtigen, wenn sie sich gegenseitig besuchen, stets mit dem Ziel, sich dem Gesprächspartner gewogen zu zeigen und mitunter auch eine besondere Ehre zuteil werden zu lassen. Die starke Symbolkraft der Präsente wird genutzt, um die Beziehung zu festigen: So erhielt Bundeskanzler Konrad Adenauer 1956 bei einem Besuch in Milwaukee einen indianischen Federschmuck, den er sogleich aufsetzte, um die Friedenspfeife mit den Indianerstämmen Kulturgeschichte_Schenken_Kopfschmuck_250x354Wisconsins zu rauchen. Staatgeschenke haben eine ähnliche Funktion wie Werbeartikel. „Die Grundidee ist: Wir wollen jemanden für uns einnehmen“, konstatiert Busso von Alvensleben, als ehemaliger Protokollchef im Auswärtigen Amt lange Jahre verantwortlich für die Beschaffung von rund 500 Präsenten im Jahr, die deutsche Regierungschefs und Minister ihren Gästen aus aller Welt überreichen konnten. Eines seiner Lieblingsprojekte ist ein bei der Porzellanmanufaktur Meißen in Auftrag gegebenes Teeservice mit Motiven der englischen Königsfamilie, das Queen Elizabeth II auf ihrem Deutschlandbesuch 1994 überreicht bekam. Eine kostspielige Sonderanfertigung, die jedoch durch ihren Bezug zum schenkenden Heimatland als auch zur Person des Beschenkten jeden Pfennig wert war.
Solche luxuriösen Geschenke sind seltener geworden, schon um die Jahrtausendwende beobachtete von Alvensleben, dass generell „alles viel bescheidener“ ausfällt, „als es einmal war“. Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Scheichs von der arabischen Halbinsel greifen ab und an noch ganz gerne in die Vollen. So hat Hillary Clinton – laut Bild-Zeitung übrigens die am reichsten beschenkte Politikerin der westlichen Welt – von Saudi-Arabiens König Abdullah einmal ein mit Diamanten und Rubinen besetztes Schmuckset im Wert von einer halben Million US-Dollar erhalten. Dagegen nahmen sich die Gold-, Saphir- und Diamantenklunker im Wert von fast 60.000 US-Dollar, die der Sultan von Brunei der ehemaligen US-Außenministerin zukommen ließ, schon vergleichsweise schlicht aus.
Zumindest in demokratisch geführten Ländern kommen solche Prassereien – immerhin werden für die Geschenke ja auch Steuergelder verwendet – nicht immer gut an. Doch keine Angst vor Korruptionalien: Der Beschenkte darf die reichhaltigen Gaben ohnehin nicht behalten. In Deutschland wandert jedes Politikerpräsent, das teurer ist als 25 Euro, direkt ins Archiv. Neben allerhand Kitsch und Klassikern wie Porzellanfigürchen, kolorierten Stichen, Lackschatullen, Blumenvasen, Bronzekesseln und Briefbeschwerern finden sich in den im Diplomatenjargon auch „Schreckenskammern“ genannten Beständen jedoch auch echte Schätzchen von historischem Wert, so z.B. ein Trimm- Dich-Fahrrad der Marke Cyclett-Watt, das Helmut Kohl einst erhielt, aber offenbar – der Statur nach – geflissentlich ignorierte. Kohl, das war in Politikerkreisen bekannt, liebte Saumagen und Elefanten – letzteres Tiere, die auch gut zur Wesensart des Politikers passten – und verfügte daher bald über eine stattliche Sammlung von Miniaturelefanten aus aller Welt.

Tiere als Symbole zu verschenken ist ein alter Brauch: So bedachte König Emanuel I. von Portugal bereits 1514 den frisch gewählten Papst Leo X. mit einem leibhaftigen Elefanten und sandte den kräftigen „Hanno“ nach Rom, der allerdings in Folge der Reisestrapazen qualvoll an Verstopfung starb. Besser erging es da dem großen Panda Bao Bao – ein Geschenk des chinesischen Partei- und Regierungschefs Hua Guofeng an den deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt, der immerhin mehr als drei Jahrzehnte die Besucher im Berliner Zoo entzückte. Als Dankeschön für Frankreichs Hilfe gegen islamistische Rebellen erhielt Präsident François Hollande ein Kamel aus Mali, wohingegen sich Bulgariens Premier Boiko Borisov 2010 mit einem bulgarischen Karakachanka, einem Hirtenhund, bei Russlands Premier Wladimir Putin einschmeicheln wollte. Auch aus Japan hatte Putin schon einmal einen Hund erhalten – allerdings einen aus Plastik, der dafür in der Lage ist, die Nationalhymne zu bellen, wenn man ihn streichelt. Und da US-Präsident Barack Obama bekanntermaßen auf den Hund gekommen ist und sich zwei portugiesische Wasserhunde hält, sandte ihm der britische Premierminister David Cameron einst einen mit britischer Flagge dekorierten Hundeknochen über den großen Teich.

Solche Anspielungen an die Eigenheiten und Vorlieben der beschenkten Personen rücken bei der Auswahl der Staatspräsente immer mehr in den Vordergrund, weshalb Mitarbeiter im Kulturgeschichte_Schenken_Kettensäge_250x186diplomatischen Dienst damit beauftragt werden, ausführliche Listen über die Besonderheiten hochgestellter Politiker zu führen. Das individuell passend ausgesuchte Geschenk zeigt, dass man sein Gegenüber kennt und schätzt. Gelingt die Auswahl, kann sie durchaus dazu beitragen, die bilateralen Beziehungen zu verbessern. Als das Verhältnis zwischen der deutschen Bundesregierung und der US-Regierung nach dem dritten Golfkrieg ziemlich angespannt war, brachte Gerhard Schröder eine Motorsäge aus deutscher Produktion für den Baumbeschnitt auf George Bushs Ranch in Texas mit. Ein echtes Männergeschenk, über das sich Bush dem Vernehmen nach hocherfreut gezeigt haben soll, wohingegen die eher spröde Charmeoffensive eines Jacques Chirac – der französische Präsident versuchte mit einem After Shave die Wogen zwischen den Regierungschefs zu glätten – wirkungslos an ihm abprallte.

Zwischen individueller Aufmerksamkeit und pompösem Zierrat bewegt sich die Spannweite diplomatischer Geschenke – politische Botschaften werden auf diese Weise jedoch nicht ausgetauscht, dazu sind die Beziehungsgeflechte in der Weltpolitik zu sensibel. Nicht-Politiker haben es da etwas leichter, auch einmal Statements abzugeben. So ließ es sich Udo Lindenberg nicht nehmen, dem SED-Vorsitzenden Erich Honecker 1987 eine E-Gitarre mit der Aufschrift „Gitarren statt Knarren“ zu übergeben und so für eine atomwaffenfreie Welt einzustehen. Der Panik-Rocker darf das, fühlt er sich auf den Bühnen dieser Welt doch weit mehr zu Hause als auf dem glatten diplomatischen Parkett.

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2016-10-21T11:33:53+00:0012. Juni 2014|